ZEIT: Herr Soros, Sie sind der Mann, der im Herbst vergangenen Jahres die Bank of England geknackt hat, der als Spekulant gegen das englische Pfund eine Milliarde Dollar verdiente. Gleichzeitig treten Sie in Osteuropa als Wohltäter auf: Mit über 500 Millionen Dollar finanzieren Sie Stiftungen in Rußland und in Ungarn, Sie bauen eine ganze Universität auf. Sie nehmen im reichen Westen und geben im armen Osten. Möchten Sie als Robin Hood der internationalen Finanzwelt in die Geschichte eingehen?

Soros: Ach, das sind alles so Bilder von mir, die nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun haben. Ich selbst habe mich stets als Spekulant bezeichnet, auch um die Leute zu provozieren. Leider hat das Wort "Spekulant" in Europa einen sehr schlechten Klang bekommen. Die Menschen denken an jemand, der irgendwie Unrechtes tut, der die Gesetze verletzt. Nur hat das mit meiner Arbeit wenig zu tun. Als Kapitalanleger, als Investor nehme ich große Risiken auf mich. Daran ist doch nichts falsch oder moralisch verwerflich.

ZEIT: Warum scheuen Sie dann in letzter Zeit die Berufsbezeichnung Spekulant?

Soros: Allmählich hört der Spaß auf. Die Angriffe gegen "den Spekulanten" gewinnen inzwischen einen dunklen, ja düsteren Ton. Das macht mir Sorge, das erinnert an finstere Zeiten in Europa ...

ZEIT: Schon Plato schätzte den Soldaten oder den Bauern mehr als den schnöden Händler. Die Verachtung für Ihr Gewerbe währt ja schon Jahrtausende.

Soros: Ja, dieses Denken hat eine lange Tradition. Und hier wird es kompliziert für mich: Denn als ein Mensch, dem das Wohl der Menschheit am Herzen liegt, wünsche ich mir keine Krise. Gleichwohl habe ich in Phasen von Unsicherheit und Unruhen größere Chancen, mein Geld zu verdienen. Ich profitiere von der Krise, weil ich sie besser verstehe. Aber ich verursache sie nicht.

ZEIT: Trotzdem geben viele Leute Spekulanten wie Ihnen die Schuld am Zusammenbruch des Europäischen Währungssystems.