Aus Feinden werden Freunde, endlich und schriftlich. Der amerikanische Kongreß besiegelte den Wandel jetzt mit der "Freundschafts-Akte". Sie tilgt alle antikommunistischen Tiraden in den Gesetzen und umschreibt Reagans vormaliges "Reich des Bösen" als "aufstrebende neue Demokratien". Ihnen wollen die Vereinigten Staaten künftig Respekt und Unterstützung angedeihen lassen.

Der Kalte Krieg ist somit auch auf dem Kapitolhügel offiziell zu Ende gegangen. Ein Frösteln jedoch scheint nachzuwirken. Wie sonst hätten die Volksvertreter ihren Federstrich bei manchen Handelsbeschränkungen unterbrochen, die den Russen immer noch Schwierigkeiten bereiten? Oder sollte die Angst vor dem sowjetischen Kommunismus nur der Furcht vor dem russischen Kapitalismus gewichen sein?

Keine Bange, müßte indes die Erkenntnis lauten, vorerst ist Rußland ein Pflegefall und keine Konkurrenz. Vertrauen wäre deshalb gut, Hilfe noch besser. Und wer druschba anbietet, sollte auch zu finanziellem Freundschaftsdienst bereit sein. Präsident Clinton wird noch genügend Gelegenheit haben, den knausrigen Kongreß an diese Gleichung zu erinnern. D. B.