Von Gunter Hofmann

Bonn

Der Fall Heitmann ist ausgestanden, die Kandidatensuche beginnt neu. Mit Roman Herzog? Oder doch noch mit Hans-Dietrich Genscher, wie hinter den Kulissen ernsthaft erwogen wird? Möglich ist alles.

Schon jetzt läßt sich sagen, daß der Kandidatenstreit, dieser Fall Heitmann und Heitmanns Fall, zu einer so hitzigen Kontroverse geführt hat, wie es sie in der kleinen Präsidentschaftsgeschichte der Bundesrepublik noch nicht gab. Das Ergebnis vermittelt, bei aller Vorsicht, einigen Anlaß zu Optimismus.

Was wirklich auf ihn zukommen würde, hat Steffen Heitmann, der sächsische Justizminister, nicht ahnen können, als Helmut Kohl mit ihm zum ersten Mal die Sache ventilierte. Als Unbekannter und ohne alle Erfahrung womöglich bald "Erster" im Staat, ganz schwindelig mußte Heitmann bei dem Gedanken werden. Verantwortungslos war es von seinen Förderern, sich dennoch auf dieses Abenteuer einzulassen.

Heitmann war hinter vielerlei Mauern aufgewachsen. Im Schutz der deutschen Mauer, der evangelischen Kirche in ihrer unpolitischsten Variante, der Familie, des Bürgeralltags à la DDR. Von der Westöffentlichkeit kannte er nichts. In dieses Experiment geriet er als Mann ohne eigenes Alarmsystem, außer eben dem Schwindelgefühl, das er einmal im Gespräch erwähnte. Auch von außen hat ihn keiner geweckt.

Die Union jedoch, fast schon zur Kanzlerpartei degeneriert, wurde zur Überraschung Kohls in diesem Streit noch einmal lebendig. Als gäbe es die Volkspartei wenigstens noch in Rudimenten, erwachten nach einer Schrecksekunde viele – Heiner Geißler, Friedbert Pflüger, Rita Süssmuth, Horst Eylmann und andere. Ein konfliktloses Zurück findet auch in der CDU nicht statt.