Die fünf neuen Nationalparks in Ostdeutschland sollen dem Schutz der Natur ebenso dienen wie der Erholung der Menschen. Die Parkbehörden sind sich einig, daß die Bewegungsfreiheit der Parkbesucher eingeschränkt werden muß.

Drei der neuen Nationalparks – Jasmund auf der Insel Rügen, der Hochharz und die Sächsische Schweiz östlich von Dresden – stecken seit ihrer Gründung vor drei Jahren in einem kaum auflösbaren Dilemma. Millionen Ausflügler steuern Attraktionen wie Königsstuhl, Brocken und Bastei an. Auf den beliebten Aussichtspunkten geht es an Wochenenden zu wie auf einem Rummelplatz, während auf den Zufahrtstraßen Verkehrschaos herrscht.

"Wir zählen seit der Wende nicht wesentlich mehr Besucher als vorher, aber viel mehr Autos", klagt Jürgen Stein, der Leiter des Nationalparks Sächsische Schweiz. Darum soll die Straße zur Bastei, auf der die Autos noch bis auf 200 Meter an den Ausgangspunkt heranfahren dürfen, gesperrt werden. In drei Kilometer Entfernung wird gerade mit den Bauarbeiten für einen "Auffangparkplatz" begonnen, der 700 Autos aufnehmen kann.

Zugunsten der Natur müssen die Besucher auch auf andere traditionelle Aktivitäten in einigen Zonen des Nationalparks verzichten: Sie dürfen die Wege nicht mehr verlassen, ihre Campingtische nicht mehr aufstellen und weder Pilze noch Beeren pflücken. "Probleme haben wir vor allem mit den ortskundigen Einheimischen", sagt Stein. Ihnen fällt es schwer zu akzeptieren, daß ein traditionelles Ausflugsgebiet nun einen derart hohen Schutzstatus erhält.

Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft westlich von Rügen formiert sich sogar schon der Widerstand von Anglern, Jägern, Seglern und Kanuten gegen Beschränkungen ihrer Hobbys. In einem Flugblatt nannten sie den Park "ein Versuchsfeld für waghalsige Experimente".

Zwar befürworteten nach einer neuen Umfrage knapp drei Viertel der Anwohner den Nationalpark, aber immerhin die Hälfte fühlte sich über Sinn und Zweck des Nationalparks schlecht informiert. Die letzte DDR-Regierung hatte die fünf Nationalparks in ihrem letzten Gesetzesvorhaben 1990 in aller Eile ausgewiesen. Die Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit muß erst jetzt nachgeholt werden. Nicht nur in den neuen Bundesländern fehlt dem Begriff "Nationalpark" noch jene Tradition und Akzeptanz, wie sie in Nordamerika schon seit Jahrzehnten gegeben ist.

Andererseits beklagen viele amtlich bestellte Naturschützer ein schwach ausgeprägtes Gespür der Besucher für die ökologische Bedeutung der Nationalparks. Im seenreichen Müritz-Nationalpark nannten kürzlich 51 Prozent der ortsfremden Ausflügler als ein Motiv für ihren Besuch "viel herumfahren, unterwegs sein".