DIE ZEIT: Ihr Film läuft in China in einer "bereinigten" Fassung. Welche Szenen sind der Zensur zum Opfer gefallen?

CHEN KAIGE: Ich habe keine Ahnung.

Haben Sie die chinesische Version nicht selbst geschnitten?

Nein. Der Chef des Pekinger Studios, das den Film koproduziert hat, rief mich an und fragte, ob ich es tun würde, aber ich habe abgesagt. Die Zensur ist Sache des Studios. Ich habe damit nichts zu schaffen. Später bekam ich Briefe von jungen Leuten, die den Film in China gesehen hatten. Sie waren schockiert. Der Film wirkt also immer noch so, wie er wirken soll.

Die Szenen über die Kulturrevolution am Schluß Ihres Films sind die härteste Anklage gegen diese Zeit, die es bisher im chinesischen Kino gab. Jeder verrät den anderen, der Freund den Freund, der Mann seine Frau.

In Wirklichkeit war es noch schlimmer. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe damals als kleiner Junge meinen Vater verraten... Aber ich will mit dem Film keine politische Aussage machen. Ich zeige einfach die menschliche Natur. So weit können Menschen gehen, wenn man sie dazu zwingt. Und daraus müssen wir lernen.

Sie haben drei Jahre in New York gelebt. Zur Zeit leben und arbeiten Sie abwechselnd in Amerika, China, Hongkong und Japan. Werden Sie in China schon als Ausländer betrachtet?