Wie sehr jüdische Kultur in Deutschland sich Jahrhunderte hindurch ihre eigene Tradition geschaffen hatte, zeigt das Buch Davids Stern an Rhein und Neckar – Ausflüge auf den Spuren jüdischen Lebens in Baden-Württemberg von Susanne Wetterich (Silberburg Verlag, Stuttgart/Tübingen; 264 S., illustriert, 19,80 DM). Wer die Spuren jüdischen Lebens verfolgt, wird konfrontiert mit dem schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte, den Folgen der nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungspolitik. Ihr fielen nicht nur im Südwesten Deutschlands nahezu alle Zeugnisse jüdischer Kultur zum Opfer.

Das wird beim Lesen des Buches ebenso deutlich wie bei den Touren durch Baden-Württemberg, die von der Autorin zusammengestellt wurden. Susanne Wetterich hat oft verborgene Überbleibsel der jüdischen Kultur aufgespürt, die der Aufmerksamkeit des Besuchers nur zu leicht entgehen: in Wäldern versteckt gelegene jüdische Friedhöfe, Überreste des rituellen Bades "Judentunke" oder die heute als Scheune dienende frühere Synagoge. Hier erinnert nur noch eine winzige Inschrift an die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes.

Auf informative, aber locker erzählte Art fügt die Autorin der reinen Beschreibung von Reiserouten eine Vielzahl von Hinweisen, auf die Geschichte der Juden am jeweiligen Ort und zu deren Leben in der christlichen Nachbarschaft hinzu.

Mit Hilfe des Buches können Ausflüge mit Fahrrad oder Auto zusammengestellt werden, wobei Kartenskizzen helfen, die beschriebenen Orte zu finden. Der Informationsteil gibt Auskunft über Gaststätten, Hotels, Jugendherbergen und Wanderheime, über Campingplätze, Radverleih und vieles mehr. Uli Rothfuss