Fusion Volvo-Renault: Vor der Entscheidung TV-Forschung: Ausländer entdeckt Bauer-Verlag: Ende eines Traditionsblattes

Für Volvo-Aufsichtsratsvorsitzenden Pehr G. Gyllenhammar geht es am 7. Dezember um Kopf und Kragen. An diesem Tag soll die Hauptversammlung der geplanten Fusion mit Renault zustimmen. Aber viele Aktionäre – Volvo befindet sich weitgehend in Streubesitz – sind ergrimmt: Sie verdächtigen Gyllenhammar, er habe die schwedischen Interessen weit unter Wert verscherbelt, um selbst im Sessel des Aufsichtsratsvorsitzenden bei der neuen Gesellschaft Platz nehmen zu können. Der französische Renault-Konzern wird der dominierende Partner werden.

Anfang dieser Woche haben sich die Vertreter von rund dreißig Prozent des Volvo-Aktienkapitals für die Fusion ausgesprochen. Gyllenhammar ist also noch ein gutes Stück von der erforderlichen 50-Prozent-Marke entfernt. Auch wenn er sein Projekt durchkriegen sollte – sein Ansehen hat bereits jetzt böse Schrammen erhalten. Aus der eigenen Konzernleitung drang massive Kritik an die Öffentlichkeit. Gyllenhammar habe die Verhandlungen mit den Franzosen viel zu sehr im Alleingang geführt.

Nach einer langen Zeit der Flaute scheint es Volvo im übrigen jetzt wieder besserzugehen. Allein im Oktober verdiente der Konzern zwischen 400 und 500 Millionen, Kronen, rund 100 Millionen Mark. Produktivitätssteigerungen und ein lebhafterer Absatz im Gefolge der Kronenabwertung waren die Ursache. Der Geschäftserfolg wird aber kaum Gyllenhammar gutgeschrieben. Im Gegenteil. Warum, so fragen viele Schweden, soll man Volvo den Franzosen verehren, wenn es dem Konzern doch wieder ganz gutgeht?

Jetzt haben auch die deutschen Fernsehsender bemerkt, daß die ausländischen Mitbürger ihre TV-Geräte nicht nur zur Zierde herumstehen haben. Bislang beruhten Einschaltquoten für Serien, Spielfilme oder Sport allein auf den Daten deutscher Zuschauer. Ermittelt wurden sie von den Marktforschern der GfK in Nürnberg im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF). Die rund 6,5 Millionen hierzulande lebenden Ausländer blieben außen vor.

Konkret ermittelt die AGF, hinter der als Auftraggeber die Sender ARD, ZDF, RTL, Sat 1 Pro 7 und DSF stehen, die Fernsehgewohnheiten in knapp 4000 deutschen Haushalten. Von Januar 1995 an sollen gut 400 ausländische Testfamilien dazukommen.

Wie der AGF-Vorsitzende Bernward Frank, hauptberuflich Medienforscher beim ZDF, weiß, war es generell bei Marktstudien in Deutschland "ganz und gar unüblich", Ausländer zu befragen. Die Gründe: fehlende statistische Daten, nicht existierende Wählerverzeichnisse und – bis vor kurzem – auch mangelndes Interesse der Wirtschaft an dieser Zielgruppe.