Ein Buch, das Füße hat. Oder Pfoten. Kann man nicht erklären, muß man sehen: blaue Papp Füße mit gelben Punkten, die unten aus dem weißen Papp Umschlag rauswachsen. Das sind die Füße des Hungerheuers: ein bißchen Krokodil, ein bißchen Nilpferd und ungeheuer groß, mit zwei roten Kuchengabeln als Geweih, sagenhaft vielen freßfrohen Zähnen und einem weißen Lätzchen um. Das Lätzchen ist besonders schön. Das Lätzchen! Später im Leben ja die Serviette. Frollein, hätten Sie noch eine Serviette? Am Ende dann wieder das Lätzchen. So, Opa, jetzt binden wir uns mal schön das Lätzchen um. War doch mal eine Ausstellung wert (500 Seiten Katalog, mindestens, auch Wolf Jobst Siedler schreibt einen Aufsatz: "Das preußische Lätzchen - Deutschlands verlorene Chance"). Na! Ein ziemlich drastischer Kerl, der Hungerheuer, ein Allesfresser, Weltverschlucker. Wälder mit 1000 Stämmen und 10000 Ästen und 100000 Blättern und Berge, 1000 Meter hoch und schwer wie 10000 Elefanten, und ganze Städte fliegen hinein in sein Riesenmaul - was sind da noch die 100000 Kekse und 1000 Torten so zwischendurch? Und nie und nimmer wird er satt. Selbst als er, eines glücklichen Tages, auf eine Hungerheuerin trifft, auf die Liebe, die Liebe "So etwas hatte er noch nie zuvor gesehen. Er sprang in die Höhe und jauchzte vor Begeisterung "

Doch leider macht selbst die nicht satt, die Liebe, nicht mal die Liebe, und, schwupp!, verschwindet auch die Liebste in des Monsters Magen.

Hast am Ende nur dich selber. Schmeckt aber auch gut, so n Selber. Und so sehen wir tatsächlich den Hungerheuer zum Schluß noch sich selber verschlingen und langsam heimkehren in den eigenen Schlund und Bauch. Aber wen trifft er dort? Na!

Ein drastisches, oral euphorisches Bilderbuch hat Stephan Rürup da gemalt und fabuliert. Bunt und wild und lecker. Genau die rechte Vorspeise für König Ubu - und die kleinen Könige Ubu, Lätzchen Ubus, die wir alle sind, so mit drei, vier Jahren. Benedikt Erenz Parabel Verlag, München 1993; n p, 24 80 DM