Seit einigen Monaten wirbt der Berliner Senat auf den Bahnhöfen für mehr Verständnis gegenüber Ausländern. Einer, der Innensenator der Hauptstadt, sah dies offenbar mit Sorge, bei so viel Toleranz fürchtet er um seine Bürger. Jedenfalls werden seit August die Lohntüten der Angestellten und Arbeiter des Landes Berlin mit einer Karikatur bedruckt: Mißtrauen nützt – Türsperre schützt!

In den Diensten des Innensenators steht seither ein heimtückisches Monster, dessen wilde Verwandtschaft wir bislang allenfalls im Himalaya vermuteten. Zahlreiche Reißzähne im Gesicht machen deutlich, daß es sich bei dem Unhold offenbar nicht um einen Vegetarier handelt. Wie weiter angenommen werden kann, ist das Monster nicht nur hungrig, es kennt auch das gesunde Mißtrauen Berliner Hausfrauen. Die wissen sich nämlich mit wehrenden Ketten gegen aufdringliche Hausierer zu schützen. Hier kann nur ein gemeiner Trick zur Beute verhelfen: Der Stadt-Yeti präsentiert der verdutzten Tür-Dame deshalb eine raffiniert als Mohr getarnte Keule.

Wir wissen nicht, ob das Monster den Mohren auf dem Kopf der Hausdame landen kann; aber wenn dem so ist, dann wollen wir mit Gott und dem Innensenator hoffen, daß die Türsperre hält!

Tja, der Innensenator: Natürlich muß der Mann vor den Gefahren des täglichen Lebens warnen, auch vor Monstern, zumal wenn sie gehäuft auftreten (diese Schein-Asylanten aus dem Himalaya, es wird ja immer schlimmer!) Aber das mit der Keule, darf diese als gelungen bezeichnet werden? 400 000mal ging die Karikatur auf der Lohntüte bereits an Behördenmitarbeiter. "Aber beschwert hat sich noch niemand", versichert die Pressestelle des Innensenators lebhaft. Die Keule, so möchte die Pressedame, die Keule zeige ein Clownsgesicht. Alles andere sei Interpretation.

Berlin, das Landesamt für Informationstechnik, der Ort, wo die Keule ihren Anfang nimmt. Hier also ist es, wo die Zeichnung auf die Lohntüte kommt. Bei der Applizierung der Karikatur gäbe es Probleme im Bereich der technischen Feinheiten, heißt es hier. Die Lohntüte werde nämlich mit sogenannten Krähenfüßen bedruckt. Damit ließe sich verhindern, daß ein Arbeitskollege den anderen in die Abrechnung gucken kann. Nachteil: Die Krähenfüße ließen das Papier etwas dunkler erscheinen. Ein Mitarbeiter: "In der Originalzeichnung ist das Gesicht der – äh – Figur etwas heller. Natürlich, Sie haben recht, auch so um den Mund nun sieht das ein bißchen so aus, als wär’ es ein – äh – Farbiger." Eigentlich sollte ja ein Olympia-Motiv die Lohntüten zieren. Doch als es mit Olympia nichts wurde, habe schleunigst ein neues Motiv hergemußt.

Übrigens, gerade wird in Berlin über die Verlängerung der Aktion debattiert. Noch mal 400 000 Tüten. Wie wär’ es denn mal mit etwas Eigenwerbung im Logo? Motto: Innensenator schützt – Mißtrauen nützt! Holger Wittekindt