Reserven für eine Rationalisierung von Gesundheitsausgaben gibt es reichlich. Allein die rationalere Arzneimittelverordnung könnte erhebliche Einsparungen mobilisieren. Noch immer landen Arzneimittel im Wert von zehn Milliarden Mark — so Berlins Ärztekammerpräsident Ellis Huber — auf dem Müll. Pro Jahr werden außerdem für sieben Milliarden Mark Arzneimittel mit unsicherer Wirkung verordnet. Es gibt Ärzte, die sogar einfache Kopfschmerzen — also keine Dauerbeschwerden —< mit dem Computertomographen abklären Über vierzig Prozent aller bildgebenden Diagnoseverfahren (etwa Ultraschall) sind irrelevant und überflüssig. Das ist Folge "juristischer Absicherungsmedizin", kritisiert Heidi Schüller.

Martin Pfaff schätzt die Rationalisierungsreserven auf rund zwanzig Prozent der Krankenkassenausgaben; das wären knapp vierzig Milliarden Mark. Bernd Orban von der Aachener Aixcon Unternehmensberatung glaubt, daß selbst gutgeführte und mit Gewinn wirtschaftende Kliniken — und das sind wenige — noch fünf Prozent ihrer Kosten vermeiden könnten: Bei GKV Krankenhausausgaben von insgesamt 54 Milliarden Mark liegen die Reserven mithin bei mindestens drei Milliarden Mark.

Selbst wenn man dies außer acht läßt, besteht kein Handlungsdruck für einen radikalen Umbau des Systems oder gar eine Rationierung von Medizin. Im Gegenteil, die gesetzliche Krankenversicherung könnte sehr viel widerstandsfähiger werden, würde die Gesellschaft nur besser zusammenhalten, als sie es heute tut. Wenn alle, die sich aus der Krankenversicherung ausgeklinkt haben — Beamte, Selbständige und Besserverdienende —, sich wieder einklinken, könnten Beiträge sinken oder die Leistungen sogar verbessert werden. Zudem besteht die Möglichkeit, das Solidarsystem noch auf andere Weise krisenfester zu schnüren. So wird bereits jetzt erwogen, künftig nicht mehr nur die Arbeitsverdienste als Grundlage für die Bemessung der Beiträge heranzuziehen. Da viele Versicherte über zusätzliche Ein