Von Carl D. Goerdeler

Ein flaschengrünes Blättermeer, das im Dunst der Regenschauer liegt; im Westen Mangrovensümpfe, im Osten die Anden. Erst aus tausend Fuß Flughöhe sind die Hütten auszumachen, die sich unter dem Blätterdach der Bananenplantagen verstecken. El Oro, Ecuadors Südprovinz, lebt vom grünen Gold, der Banane.

Auf der Finca Rutalsur wird man mit der Maschinenpistole empfangen. Ohne Erlaubnis der Firma kommen keine Fremden herein. Kilometerlang führt die schnurgerade Piste durch die Plantage. Die haushohen Bananenbäume wachsen in Reih und Glied, aber sie stehen nicht stramm wie deutsche Fichten, sondern lehnen an Krücken und beugen sich unter der Last zentnerschwerer Stauden, die durch blaue Plastiksäcke vor Schädlingen geschützt werden. Die ausgewachsenen Stauden werden mit einer Art Skilift zum Verpackungsplatz transportiert.

Neun Monate vergehen, bis eine Staude ausgewachsen ist. Das ganze Jahr hindurch wird geerntet. Die Triebe werden regelmäßig gewässert, beschnitten und entlaubt. Vor allem aber wird gespritzt, vom Flugzeug aus, mit Sprühgeräten und per Hand, möglichst vor Sonnenaufgang, damit die giftigen Dämpfe nicht in die Lungen der Tagelöhner ziehen. Auf einer Bananenplantage duftet es nicht nach süßer Gärung, sondern wie beim Zahnarzt.

"Ohne die Chemie gäbe es keine Bananen", scherzt Werner Pellehn; der Deutsche verkauft in El Oro die Pestizide und Fungizide und das ganze Spektrum importierter Schutzmittel, die Kritiker als "Ackergifte" bezeichnen. Bananen sind besonders gegen Pilzbefall ("Sigatoka Negra") empfindlich; und wenn sie ohne die Gesellschaft anderer Pflanzen wachsen, geht es ihnen so wie Hühnern in den Legebatterien – die kleinste Krankheit breitet sich in Windeseile aus. Mit der chemischen Keule wird dagegengehalten.

Die Indios in Ecuador kennen mindestens fünfzig verschiedene Sorten und Namen für kleine, große, dicke, dünne, gelbe, braune, rote, grüne Bananen, die man zum Kochen, Braten, Backen oder als Dessert verwenden kann. "Dollarbananen" für den Export gehören aber fast ausschließlich zur Sorte Cavendish, einer Züchtung, die so künstlich ist wie eine holländische Treibhaus-Tomate. Exakt 18,75 Zentimeter lang und 4,1 Zentimeter dick muß sie sein, makellos, ohne Flecken und giftgrün – erst im Schwefeldampf der Reifehäuser bekommt sie ihren gelben Glanz. Nur dann erfreut sie das Auge der Konsumenten; das glauben die Marketingstrategen der Bananenmultis genau zu wissen. Nach dem Geschmack fragt ja keiner.

Vierzig Prozent der geernteten Exportbananen erfüllen auf der Finca Rutalsur nicht die Norm und werden verfüttert oder in der Fabrik zu Chips getrocknet. Jede ausgewählte Staude wird in fünf, sechs "Hände" von je acht Bananen geteilt – nur so passen sie in die Kartons, die exakt 45 englische Pfund (18 Kilo) wiegen. Die Plantagenarbeiter beschneiden sorgfältig alle "Hände" und besprühen sie mit Tiabendazol. Erst dann haben die Früchte den Aufkleber "Banana Bonita" verdient.