Ornithologen wissen es, die Meteorologen wissen es, und selbst der Volksmund gibt die richtige Auskunft: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Verfügen aber auch alle Politiker, Ökonomen und Unternehmer über diese vogel- und wetterkundlichen Grundkenntnisse? Zweifel sind angesichts mancher Kommentare über die – endlich einmal – positiven Zahlen aus der ostdeutschen Wirtschaft angebracht. Angesichts der langen, finsteren Kälteperiode, die die ostdeutsche Wirtschaft durchgemacht hat, ist die Freude verständlich. Ist sie aber auch berechtigt?

Auf den ersten Blick scheinen die Anfang der Woche bekanntgegebenen Daten einen deutlichen Umschwung in Richtung auf eine Schönwetterperiode anzuzeigen. Die ostdeutsche Wirtschaft hat, wie die jüngste Statistik ausweist, ihre Produktion im September gegenüber dem Vormonat um 11,5 Prozent gesteigert. Und bei den Auftragseingängen, die als Indikator noch wichtiger sind, weil sie mehr über die Zukunft aussagen, verzeichneten die Unternehmen sogar ein Monatsplus von 23,9 Prozent.

In Wahrheit kann noch niemand zuverlässig beurteilen, ob diese Daten den Beginn das lange ersehnten selbsttragenden Aufschwungs markieren oder ob es nur ein einmaliger, von Zufällen bestimmten Ausschlag war. Sicher ist nur: Die ostdeutsche Wirtschaft bedarf noch lange Zeit sorgsamer Pflege. Denn nicht nur Ornithologen, auch Ökonomen wissen: Selbst die Ankunft vieler Schwalben besagt nicht, daß kein Kälteeinbruch mehr erfolgen wird. whz