Wie oft mag das wohl schon vorgekommen sein in der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Ein Unternehmen entschuldigt sich öffentlich. Ein einzigartiges, gar ein vorbildliches Ereignis? Im Juni dieses Jahres berichtete die Münchner Privatbank Merck, Finck & Co., die traditionell kein Wort über Gewinn oder Verlust verlauten läßt, über ihre feinen Geschäfte des Jahres 1992. Drei Monate später wird ruchbar, daß die Privatbankiers im vergangenen Jahr keineswegs – wie vermutet – erfolgreich gewirtschaftet, sondern einen Verlust von 69 Millionen Mark erlitten haben, den die britische Muttergesellschaft Barclays Bank plc ausgeglichen hat. Jetzt entschuldigten sich die persönlich haftenden Gesellschafter in aller Form dafür, daß im Sommer der Eindruck entstehen konnte, als habe die Bank das Jahr 1992 mit Gewinn abgeschlossen.

Um es gleich vorwegzusagen: Die erste positive Reaktion darauf ist verständlich, aber falsch. Eine solche Entschuldigung kann nicht Vorbild für andere sein. Das wäre ja noch schöner. Da könnte ja jeder kommen, dem das eigene Image in der Öffentlichkeit nicht gefällt. Ein Wort der Reue, und alle Sünden sind vergeben? Nein, so einfach geht das nicht. Soll denn jeder VW-Vorstandschef, der plötzlich Milliardenverluste zugeben muß, die zuvor versprochenen schwarzen Zahlen mit einem Federstrich aus der Welt schaffen können? Und überhaupt: Wo kämen wir denn hin, wenn jeder Verantwortliche sich für seine Fehler öffentlich entschuldigen wollte? Lassen wir’s dabei, den Münchner Bankern sei ihre feine englische Art noch einmal verziehen.