künfte aus Kapital- und sonstigen Vermögenserträgen verfügen, liegt nahe, auch diese Einkommen in die Beitragspflicht zu nehmen.

Die strukturellen Veränderungen bei der Krankenversorgung sind gleichfalls nicht ausgeschöpft. Seehofers Gesundheitsreform ist erst ein vergleichsweise kleiner Schritt (siehe ZEIT Nr. 48). In der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wird beispielsweise ein Konzept diskutiert, das die Abgrenzung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung nicht nur entzerrt, sondern konsequent aufhebt. Danach gehörte die traditionelle Einzelpraxis des niedergelassenen Arztes ebenso wie das heutige Krankenhaus zum alten Eisen. Die ärztliche Versorgung, wie sie sich der Hamburger Arzt Roderich Nehls vorstellt, setzt auf ganze neue Kooperationsformen: Hausarzt- und Schwerpunktpraxen, Fachzentren und Apparategemeinschaften sollen engstens miteinander vernetzt sein. Krankheiten, die Bettruhe erfordern, sollen dann weitgehend zu Hause von mobilen Ärzten und ihren Helfern kuriert werden. Das poliklinische Modell, freiberuflich und nicht zentralistisch, wie in der DDR praktiziert, ist einen Versuch wert, vorausgesetzt, daß es nicht zu einer neuen Selbstbedienung führt.

Noch wichtiger allerdings ist, die einseitige Orientierung der Politik auf die Krankenversorgung und die rein fiskalische Betrachtung abzuschütteln und die Weichen für eine Gesundheitspolitik im eigentlichen Sinne zu stellen. Die moderne Industriegesellschaft produziert mehr als jede andere Gesellschaft zuvor Krankheiten in Lebens- und Arbeitsumfeldern, die der einzelne nicht steuern kann. Sie verführt sicher auch zu ungesunden Lebensweisen, die vermeidbar wären und daher in der Tat von jedem einzelnen mitzuverantworten sind.

Um so wichtiger ist eine Gesundheitspolitik, die neben Rehabilitation vor allem Prävention stärker beachtet. Allerdings nicht Prävention im Sinne einer immer umfassenderen Diagnostik, die mögliche Krankheiten erfaßt, die vielleicht nie akut werden, aber dennoch Anlaß für risikoreiche Eingriffe sind. Prävention muß in erster Linie Gesundheitspflege sein, die schon früh in Kindergarten und Schule einsetzen muß, damit bewußt wird, wie und welche Risiken vermeidbar werden. Dafür lohnte sich auch, Anreizsysteme zu schaffen, die mit Bonus oder Malus die individuelle Gesundheitsvorsorge steuern helfen. Selbstbeteiligungssysteme mit und ohne Rationierung sind dazu kein Mittel, sie verschieben nur Krankheiten und verlagern Kosten. Und das teilt die Gesellschaft wieder in Klassen. In eine, die alles kaufen kann, in eine, die sich mehr oder minder leisten kann, was noch notwendig ist, und in eine, die auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen ist, was die anderen ihr zuteilen.