An dieser Stelle gefällt mir die Vorstelllung, daß der eigene Schatten eine Ohrfeige bekommt.

In der Schauergroteske "Die Leiden des Fürsten Sternenhoch" ist der Held entgegen seinem Namen kein Übermensch, sondern ein armer Teufel, der von der Vision seiner ermordeten Frau verfolgt wird. Das Thema findet sich auch in der Novelle "Glorreiche Nemesis"; Tod, Verfolgung, Wahn kehren bei Klima immer wieder.

Inmitten abgenagter Brüste, Lippen und Ohren (bei Fabio), lebendig begrabener Opfer, Szenen von Sodomie, Inzest, Nekrophilie und blasphemischer Tiraden mag der Leser zuerst Mühe haben, die Koprophilie, der Kannibalismus dürften gar unappetitlich anmuten, nur hat der gute Geschmack mit Kunst so wenig zu tun wie die wiederkehrende Sorge der vor Kameras plaudernden Literaturkritiker, sie würden unter ihrem Niveau lachen. Dann sollen sie es lassen! Von gleichen Szenarien bei Poe, de Sade oder Hans Henny Jahnns Dramen unterscheidet sich Klimas Prosa wohltuend durch ihre Komik. (Nur ein Arno Schmidt kann "Pit and Pendulum" als voyeuristisch motivierten Spaß deuten.)

In der Berliner Edition Sirene ist eine Auswahl von Klimas Texten unter dem Titel "Postmortalien" erschienen; am interessantesten darin seine "Autobiographie". Derselbe Verlag hat das Verdienst, bereits 1986 "Die Leiden des Fürsten Sternenhoch" herausgegeben zu haben (als Nachdruck von 1966). In tschechischen Verlagen werden gegenwärtig Klimas verstreute Texte mit einem Eifer auf den Markt gebracht, als lebte man

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noch in Samisdat-Zeiten, und die Menschen wären nach verbotener Literatur ausgehungert.

Wenn der arme, wahnsinnige Sternenhoch seine ermordete Gattin trifft – sie ist wieder einmal ganz Gerippe, Totenschädel, nur dünne Haut auf den eitrigen Augen, blaß, schrecklich, beschreibt er ihre Farbe: "Wie ein Wassermann mit Gelbsucht."