Schön die Audienzen bei Willy, das heißt dem deutschen Kaiser Wilhelm, dessen Günstling und engster Berater der debile Sternenhoch ist. Die immer gute Laune des Kaisers bei seinem Anblick, sein goldiger Sinn für Humor, wenn er ihn einen Kessel voll Bohnen, Kohl, Rüben vertilgen läßt und ihn anschließend um zwanzig Millionen anpumpt. Päderasten als Staatsminister, die sich in Nebenräumen des Palastes verlustieren, und dazwischen der arme Sternenhoch, von seiner Helga-Daimona verfolgt, auf der Suche nach einem Versteck vor ihr und immer mehr – nach ihr selbst.

Klima verstand sich niemals als Literat; seine Prosa war nur ein Nebenprodukt seiner Philosophie und diente ihm als Einübung in die spätere "Praxis". Die Qualität der Texte schwankt entsprechend. Er bezeichnete die Art seines Schreibens als "Rotzen auf alles, was bisher Literatur hieß". Stellenweise gelangen ihm faszinierende Texte.

Das Verfahren hängt von seiner jeweiligen Verfassung ab. Banalitäten werden transponiert auf eine Metaebene, verklärt zum Nonsens und Dada, Surreales, Träume, Visionen werden eingebaut, es wird entschwebt, erleuchtet, postuliert: "Ludibrionismus" – die Welt als Spiel des freien Willens; "Deoessenz" – das Ich als Gott. Der ganze Schwulst des gotischen Romans, philosophisch verbrämt; aber dann bekommt der eigene Schatten eins in die Fresse, und das dämonische Gespenst, der Tod selbst, sieht aus wie ein Wassermann mit Gelbsucht. Klima arbeitet nicht auf Pointen hin, sie passieren ihm beim Schreiben, wie nebenbei – ein poetischer Mehrwert.

1910 notiert er, quasi als Nachwort zu seinem literarischen Schaffen: "Die Form des Romans, wie er bis heute geschrieben wird, ist zu eng. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich eine absolut freie, durch nichts zu bändigende, vom Hohngelächter einer souveränen, göttlichen Skepsis beherrschte Form einfindet." 1928 starb Ladislav Klima mit fünfzig Jahren an Tuberkulose.

Seine Werke wurden von Freunden gesammelt: als lose Blätter in den Papierkörben billiger Hotels entdeckt, unter Tischen von Gasthäusern, oft samt deren Verfasser.

Auch Hašek war der Mittelpunkt von Kneipen, und nach ihm Hrabal. Daraus entsteht in Böhmen Literatur, entstand zumindest bis unlängst, solange sich die Tschechen das Bier in ihren eigenen Kneipen noch leisten konnten. Heute sitzen Amerikaner da und vertilgen Hamburger, lassen die Zutaten aus Minnesota einfliegen und üben sich in Dichtung: Das bemühte Warten auf neue Fitzgeralds und Hemingways ebbt noch nicht ab. Von Klima wissen sie nicht. Kaum von Hrabal.

Für Bohumil Hrabal bedeutet Klima eine Spitze des fünfzackigen Sternes, den er als seine Poetik vorstellt: Franz Kafka, Jakub Deml, Jaroslav Hašek, Richard Weiner, Ladislav Klima. Auf den Spuren von Klima finden sich auch andere Autoren und ihre Texte; "Der Blutige Roman" von Josef Vächal ist eine weitere Kostprobe aus dem Giftschrank der tschechischen Moderne.