Freie Liebe

Wo Freiheit flieht, stirbt auch die Liebe." Die schönste Sache der freien Welt verkam in der "DDR" zur rüden Rüpelei, möglichst unter Alkohol, denn Schnaps gab es ja reichlich in der Zone. Drogen – so hielten Moskaus Marionetten das Volk im Joch. Vorbei! Nun, da sich unsere Landsleute freiheitlich ernüchtert finden, wären sie zu wirklicher Liebe bereit. Doch sie wissen nicht, wie sie die Kunde vom zarten Keimen und Schwellen einander zurufen sollen über die Grenzen des Geschlechts. Entschieden verurteilen wir von dieser Stelle aus die Bestrahlung der Zone mit sogenanntem Lederhosen-Sex durch die sogenannten Privatsender. Den richtigen Weg beschreitet Herr Peter Hollinger aus München. Er öffnet demnächst in Dresden die erste Flirtschule im Beitrittsgebiet, um die östlichen Menschen zu lehren, "wie man mit dem Feuer spielt, ohne sich zu verbrennen". Dies scheiterte im alten System schon an den unsäglichen Plaste-Anoraks.

Adios, Carlos

"Hospital Carlos Marx" hieß bislang jenes Krankenhaus in einem Slum von Managua, das einst Erich Honecker den sandinistischen Comandantes schenkte. Dieses Erbe der deutschen Einheit hat Entwicklungshilfeminister Carl-Dieter Spranger seit seinem Amtsantritt keine Ruhe gelassen. In einem Krankenhaus, das Bonn mit fast achtzehn Millionen Mark dem medizinischen Fortschritt anpaßte, werden im Namen von Karl Marx täglich zwanzig Kinder geboren! Es raubte dem Minister den Schlaf. Spranger ließ es Violeta Chamorro wissen, Nicaraguas bürgerliche Präsidentin, die den Bankrott der sandinistischen Revolution verwaltet. Als Bonn dem mittelamerikanischen Armenhaus im September dann auch noch die Hilfe kürzte, gab Doña Violeta den Interessen des internationalen Entwicklungskapitals endlich nach. Gegen den Willen der meisten Ärzte und Krankenschwestern wurde Carlos Marx liquidiert; fortan heilen die Patienten (schneller?) im "Deutsch-Nicaraguanischen Hospital".

Hosokawa-Effekt

Seitdem Ministerpräsident Hosokawa im Amt ist, werden in Japan auch heikle Fragen offener diskutiert. Die Todesstrafe jedoch bleibt ein Tabu. Sie darf vollstreckt werden, wenn die Tötung nicht "grausam" ist. Amnesty international zufolge wurden am vergangenen Freitag vier Mörder erhängt. Das waren die ersten Hinrichtungen der neuen Regierung. Das Justizministerium verständigt die Angehörigen üblicherweise am Tag danach. Die Verurteilten erfahren den Zeitpunkt ihrer Hinrichtung überhaupt nicht. So darben sie Tag für Tag mit dem Gedanken an das nahe Ende. In diesem Punkt bleibt die Regierung schweigsam wie zuvor, trotz des Hosokawa-Effekts.