Im März 1991 besetzten vierzig vertriebene Familien ihre alten Hofstellen in Roosboom; sie wurden von den Behörden abgemahnt, aber sie ließen sich nicht noch einmal vertreiben. Lehmhütten wuchsen aus dem Boden, ein kleiner Laden, eine neue Schule. Nach langem, zähen Ringen gaben die Behörden das Land zurück.

Davon können Hunderttausende nur träumen, nicht nur in Südafrika, sondern überall dort, wo sich europäische Kolonialisten plündernd und mordend oder durch schlaue Händel eingenistet haben. In Namibia, immerhin seit 1990 unabhängig, ist die schwarze Regierung unter Sam Nujoma noch nicht einmal dazu gekommen, eine präzise Bestandsaufnahme der landwirtschaftlichen Liegenschaften zu machen, geschweige denn Nutzflächen für landlose Bevölkerung auszuweisen. In Simbabwe, das manche Weißen immer noch Rhodesien nennen, ist man schon weiter.

Neue Enteignungswelle. Simbabwe will 2000 Farmen konfiszieren. Präsident Robert Mugabe: "Die Weißen müssen teilen, oder wir schmeißen sie raus." Die Brandnachrichten, die im Sommer über den Grenzfluß Limpopo kamen, legten Feuer auch unter die Scheunendächer der südafrikanischen Bauern. "An Mugabe sieht man’s mal wieder", hieß es landauf, landab, "einmal Kommunist, immer Kommunist." Kaum sei die Schonfrist abgelaufen, zeige Präsident Mugabe sein wahres Gesicht und nehme den fleißigen Weißen das Land weg. Ein Viehzüchter aus Vrede prophezeit: "Genauso wird es der ANC mit uns machen, wenn er an der Macht ist."

In der Tat setzte man in Simbabwe im Juni 1972 Großfarmen weißer Siedler auf den Index. Der Skandal ist allerdings nicht, daß Flächen für das Heer der Landlosen akquiriert werden, sondern wie dies geschieht. Die "indizierten Farmer", wie es in der Amtssprache heißt, können gegen die Enteignung nicht klagen. Das Parlament hat vorher noch schnell die Verfassung verbogen, um den Rechtsweg auszuschließen. Daraufhin dachten einige Geberländer laut darüber nach, die Kapital- und Entwicklungshilfe einzufrieren. "Sie können ihr dreckiges Geld behalten", tobte der Staatschef. Das Land gehöre den Schwarzen, "wir können es uns einfach nehmen." Die weißen Großgrundbesitzer schimpft er in diesen Tagen gern unverbesserliche Rassisten. "Sie behandeln ihre schwarzen Arbeiter schlechter als ihre Hunde!" Der Jesuitenzögling Mugabe steht unter Hochdruck. Im nächsten Jahr muß er sich Präsidentschaftswahlen stellen. Die Bürger sind unzufrieden: Hohe Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, ein von der Weltbank verordnetes Strukturanpassungsprogramm, das wie eine Chemotherapie wirkt – dem Patienten fallen die Haare aus. Die Kürzung von Lebensmittelsubventionen, den Sparkurs im Sozial- und Gesundheitsetat bekommen vor allem die Armen zu spüren. Dann sind da immer noch Millionen von Habenichtsen, die auf die Einlösung dessen warten, wofür sie gekämpft haben. "Für die Mehrheit der schwarzen Simbabwer war die Landfrage der Hauptgrund für den Befreiungskampf, schreibt Ngoni Masoka, Vizestaatssekretär im Landwirtschaftministerium.

Die Umverteilung begann 1980, gleich nach dem Ende der Bürgerkrieges, den das rhodesische Regime von Ian Smith gegen Mugabes Guerilla verloren hatte. 162 000 Menschen sollten eigene Schollen erhalten, bevorzugt verdiente Kriegsveteranen. Zwölf Jahre später sah die Bilanz nicht gerade rosig aus. Nur 53 000 Leute waren neu angesiedelt worden. Viele Farmen sahen ziemlich verwahrlost aus, weil es an landwirtschaftlichen Fertigkeiten und an Ausrüstung mangelte. An der ungerechten Verteilung von Grund und Boden hat sich nichts geändert. Nach wie vor bewirtschaften 4500 weiße Großfarmer (früher: 5000) 11,4 Millionen Hektar der fruchtbarsten Äcker; auf 16,3 Millionen Hektar kargen Boden drängen sich 8 Millionen Schwarze. Die meisten leben auf regenarmen communal lands, die einst Reservate hießen.

Die erste Bodenreform war gescheitert. Das große Versprechen aber hieß immer noch: Land. Was lag also näher, als mit wahlkämpferischen Getöse einen zweiten Anlauf zu nehmen?

Bis dato hat der Staat rund 3,3 Millionen Hektar aufgekauft und an die Bedürftigen verteilt. Es handelte sich überwiegend um marginales, brachliegendes Land. Jetzt geht’s ans Eingemachte, an die Spitzenböden in den fruchtbaren Landstrichen. Zum Beispiel in der Region II, die sich ungefähr von Mutare bis hinauf ins Sambesital zieht. Hier sind die Filetstücke zu 99 Prozent in weißer Hand. Auf diesem Land konnten kommerzielle Großfarmer sorglos dicke Gewinne einfahren, solange sie eine Klausel vor Verstaatlichung schützte. Die Bestandsgarantie war 1980 ins Londoner Lancaster-House-Abkommen eingeflochten worden, in jenen Staatsvertrag, der die Unabhängigkeit Simbabwes besiegelte. Sie galt zehn Jahre und keinen Tag länger. 1992 verabschiedete das Parlament in Harare den Land Acquisition Act, der den freien Zugriff auf weißen Großgrundbesitz ermöglicht.