Wieder einmal ist die Luft auf dem deutschen Aktienmarkt dünn geworden. Zwar erreichte der Deutsche Aktienindex (Dax) auch in dieser Woche wieder neue historische Höchststände, aber dies immer nur für kurze Zeit, weil auf der erhöhten Kursbasis Gewinne realisiert wurden. Viele Anleger geben sich mit dem in diesem Jahr Erreichten zufrieden und wollen sich das ungewöhnlich gute Ergebnis nicht noch durch riskante Spekulationen verderben.

Dennoch scheint der deutsche Aktienmarkt weiterhin auf festen Füßen zu stehen. Nach wie vor hoffen die Börsianer auf sinkende Zinsen, und immer mehr rechnen mit einer baldigen Konjunkturbelebung. Weit in die Zukunft blickende Aktienkäufer setzen deshalb auf die sogenannten zyklischen Werte, also auf die Aktien solcher Gesellschaften, die am meisten von der wirtschaftlichen Wende profitieren werden.

Vor diesem Hintergrund muß die anhaltende Festigkeit der deutschen Autoaktien gesehen werden, die neuerdings auch wieder im Ausland Käufer finden. Das gilt für BMW- und VW-Aktien, mit Einschränkungen aber auch für Daimler, ein Unternehmen, das sowohl von der Automisere als auch von dem Sparkurs des Staates bei den Ausgaben für Forschung und Rüstung betroffen ist.

Für die Stabilität des deutschen Aktienmarktes, dem die Analysten zunächst noch einen weiteren Anstieg um rund zehn Prozent voraussagen, spricht, daß ihm weder die Kommunalwahlen in Brandenburg noch die Liquiditätsschwierigkeiten bei der Metallgesellschaft etwas anhaben konnten. Die Börsianer scheinen sich mit einem Regierungswechsel in Bonn weitgehend abgefunden zu haben. Allerdings wird in diesem Zusammenhang mit einem leichten Zinsanstieg gerechnet, weil die Ausländer zunächst um die Stabilität der Mark fürchten dürften.

Die Zehnmonatsabschlüsse der großen Banken haben ihre Kurse kaum noch beflügeln können. In sicherer Erwartung guter Ergebnisse waren ihre Aktien schon vorher deutlich gestiegen. Im Fall der Dresdner Bank waren viele Börsianer sogar ein wenig enttäuscht, sie hatten mit einem höheren Gewinn gerechnet. Immer wieder aus der Reihe tanzen Commerzbank-Aktien, was den Vermutungen über eine Paketbildung neue Nahrung gibt. K. W.