Mit 215 zusätzlichen Zügen wollen die deutschen Bahnen den Andrang über Weihnachten und Neujahr bewältigen. Dennoch werden viele Fernzüge überfüllt sein. Für Spitzenzeiten hat die Bahn nämlich zuwenig Kapazitäten.

Von den zusätzlichen Zügen fahren 141 ins Ausland und 74 auf deutschen Schienen, die meisten von ihnen auf den am stärksten nachgefragten Verbindungen Hamburg-München, Hamburg-Frankfurt-Stuttgart, Berlin-Leipzig und Ruhrgebiet-München.

Bundesbahnsprecherin Christine Geißler-Schild macht den Bahnkunden nur mäßige Hoffnungen, daß sie ihre Reise über die Feiertage nicht in drangvoller Enge überstehen müssen: "Befriedigende Lösungen sind nicht immer möglich." Immerhin verspricht die Bahn, alles verfügbare Wagenmaterial auch einzusetzen.

Ohne Reservierung sollte man zum Jahreswechsel allerdings gar nicht erst in einen InterCity oder ICE einsteigen. Diesen Ratschlag erteilt die Bahn einerseits aus Fürsorge für ihre Kunden, andererseits aber auch aus Sorge um das eigene Image. Weil viele Leute nur einmal im Jahr vom Auto in die Bahn umsteigen – vor allem bei widrigen winterlichen Straßenverhältnissen-, sollen sie nicht durch überfüllte Züge gleich wieder abgeschreckt werden. Wer für den Zug seiner Wahl keine Reservierung mehr erhält, rät Christine Geißler-Schild, sollte auf andere Zeiten oder Routen ausweichen.

Die meisten Reisenden werden nach ihren Prognosen am 17., 23. und 24. Dezember den Weihnachtsurlaub antreten und am 2. und 3. Januar sowie in Süddeutschland nach dem Feiertag Heilige Drei Könige (6. Januar) zurückkehren. Um den Verkehr zu entzerren, haben an den Hauptreisetagen die billigen Tickets zum Supersparpreis keine Gültigkeit. Diese "Ausschlußtage" sind – neben den regelmäßig gesperrten Freitagen und Sonntagen – der 23. und 27. Dezember sowie der 1. und 3. Januar.

Beim alternativen Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat man durchaus Verständnis dafür, daß die Bahn in Spitzenzeiten nicht jedem Reisenden ein bequemes Plätzchen bietet. "Man kann nicht für zehn Tage im Jahr enorme Reserven bereithalten", meint der VCD-Vorsitzende Rainer Greichen, "das tut niemand, der kaufmännisch rechnen muß." In den vergangenen zehn Jahren hat die Bundesbahn ihren Wagenpark erheblich reduziert.

Probleme bereitet den Schienenlogistikern nicht nur der enorme Ansturm auf ihre Züge zur Weihnachtszeit. Machtlos stehen sie vor der großen Zahl von "No shows". "In manchen Zügen haben wir bis zu zwanzig Prozent reservierte Plätze, die nicht eingenommen werden", klagt Christine Geißler-Schild. Bislang hat die Bahn keine Handhabe, Doppelbuchungen zu verhindern, mit denen sich Reisende in mehreren Zügen Plätze freihalten lassen. Angeblich wird aber darüber nachgedacht, aus diesem Grund Gebühren für Reservierungen zu erheben.

Wahrscheinlich werden zum Jahreswechsel in ausgebuchten Zügen Plätze frei bleiben. Und nicht jeder, der nur einen Stehplatz ergattert, ist in den Augen eines Eisenbahners wirklich zu bedauern: "Die Leute sind doch selbst Schuld, wenn sie nur einmal im Jahr mit der Bahn fahren." Olaf Krohn