Von Judith Reicherzer

Die Glühbirnen-Lobby hat genug. Mit Protestbriefen kämpft der Verband der European Lighting Companies (ELC) derzeit gegen die Logo-Flut auf den europäischen Verpackungen. Recycling-Pfeile und Stromsparskala, Ökoblume und Biofaust, Grüner Punkt und Blauer Engel: Wer im Binnenmarkt verkaufen will, muß eine Menge nationaler Zeichen auf seiner Packung unterbringen – und hat dann kaum mehr Platz für den Firmennamen, klagt der ELC.

Tatsächlich gibt es im vereinten Europa unzählige Logos, die für Sicherheit, Qualität, Umweltverträglichkeit oder Recycling eines Produkts werben sollen. Gütezeichen wie der Blaue Engel konkurrieren mit Herkunftsstempeln, Normensignets und Phantasielogos einzelner Firmen. Experten schätzen, daß in Deutschland allein mindestens 200 verschiedene Umweltzeichen am Markt sind.

Im März dieses Jahres beschloß denn auch der europäische Ministerrat, die Erzeugnisse im Binnenmarkt verbraucherfreundlicher zu kennzeichnen und unter anderem neue, EG-einheitliche Logos einzuführen. Daß diese Euro-Labels die Verbraucher aber besser als die bestehenden nationalen Zeichen informieren werden, ist eine kühne Hoffnung. Schließlich gibt es bereits die ersten Euro-Logos im Binnenmarkt, und die nützen den Verbrauchern nur wenig.

Bestes Beispiel dafür ist das europaweite CE-Zeichen, das bald alle Waren tragen müssen, für die EG-Bestimmungen gelten: die Bonbonpackung mit Gratiswürfeln (Richtlinie Sicherheit von Spielzeug) genauso wie Telephone (Richtlinie Elektromagnetische Verträglichkeit) oder Kreissägen (Maschinenrichtlinie). Ursprünglich sollte das CE-Zeichen nationale Logos wie das deutsche GS-Zeichen, das französische NF-Signet oder das britische Drachenlogo ersetzen. Doch vor allem die Deutschen weigerten sich, ihr eigenes Zeichen gegen ein "minderwertiges" einzutauschen. Denn Produkte mit dem GS-Zeichen sind in jedem Fall von unabhängigen Stellen auf ihre Sicherheit getestet. Für das CE-Zeichen hingegen müssen die Hersteller ihre Erzeugnisse nicht unbedingt auf den Prüfstand schicken, sondern bestätigen damit lediglich, daß das Produkt den EG-Normen entspricht. "Wir halten es für unsinnig, wenn ein Anbieter mit einem Zeichen ausdrückt, daß er ein Gesetz einhält", meint Michael Bobrowski von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände in Bonn. Andernfalls dürften Produkte schließlich gar nicht verkauft werden. Tatsächlich ist das CE-Zeichen vor allem ein Freifahrtschein durch die EG, der den Kontrollbehörden die Arbeit erleichtert. Über die Qualität der Ware sagt es nichts aus. Inzwischen scheint auch Brüssel eingesehen zu haben, daß CE ein GS nicht in jedem Fall ersetzen kann. Die Deutschen dürfen ihr Sicherheitszeichen vorerst behalten – schon ist wieder ein Zeichen mehr auf den Euro-Packungen.

Noch weniger Erfolg hat die EG bislang mit eigenen Bio-Zeichen. Das neue Label für Lebensmittel aus ökologischem Anbau war, schon bevor es auf den Markt kam, unglaubwürdig. Dabei sah es eigentlich so aus, als könnte die EG-Kommission mit dem Logo die Flut der oft fragwürdigen Öko-Zeichen sinnvoll bremsen. Sie entwickelte für pflanzliche Produkte aus ökologischem Anbau Kriterien, die selbst die strengen deutschen Verbraucherschützer akzeptierten. Alle Erzeugnisse, die diesen Kriterien nachweislich entsprachen, sollten mit dem Stempel "Ökologische Agrarwirtschaft – EWG-Kontrollsystem" belohnt werden. Allein in der Bundesrepublik könnten zehntausend Biobetriebe das EG-Logo bekommen.

Doch kaum hatte der europäische Rat die "Verordnung über den ökologischen Landbau" im Januar dieses Jahres verabschiedet, kam es zum Eklat. Die EG-Kommission hatte kurz vor Schluß – wohl auf Wunsch der Gentech-Lobby und ohne Rücksprache mit dem Parlament – im Anhang eingefügt, daß europäische Ökonahrung gentechnisch veränderte Zutaten enthalten darf. "Damit hat das Siegel keinen Wert mehr", meint Hiltrud Breyer, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Europaparlament. "Wer Bioprodukte kauft, will doch gerade keine genmanipulierte Hefe essen." Im April klagte deshalb das Parlament vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Kommission. Noch in diesem Jahr sollen sich die Europarichter mit dem zweifelhaften Bio-Label befassen.