Wer die Göttin im Bade erblickt, der muß sterben. Recht so. Unser armer Freund Aktaion kam immerhin in die Gnade eines unvergeßlich gräßlichen Todes – er wurde von der keuschen Artemis in einen Hirschen verwandelt und sodann von den eigenen Kampfhunden gefressen.

Der Leser (indem er die Zeitung niedersinken läßt): "Ach ja, typisch DIE ZEIT. Habt ihr denn keine anderen Themen? Das Weizsäcker-Attentat? Der nackte Riese von St. Pauli? Scharfe Bilder, geile Debatten? Nix. Statt dessen Altherrenaffären aus der Antike! Gähn!"

Lieber, liebster, süßer Leser, hab doch noch bitte einen Augenblick Geduld! Schon unser nächster Satz nämlich wird dir unser Wochenblättchen zum Erotikon und Skandalon machen. Also: Welchen Tod hat Kurt Biedenkopf verdient? So, Leser, jetzt kommst du von diesen Zeilen nicht mehr los!

Die Anregung zu unserer kleinen Ausschweifung kam wieder einmal (was wären wir ohne diesen Mann? Nichts!) von Dieter Schröder, dem Chefredakteur der geliebten Süddeutschen Zeitung. In einem seiner ganz unvergleichlichen Samstagsleitartikel riskierte Schröder jetzt den schockierenden Satz: "Kurt Biedenkopf, der Kohl schon lange nackt sehen wollte, glaubt sich nun am Ziel."

Der kleine Sachse. Der nackte Riese von Oggersheim. Welch eine Szene! Wie soll man da noch in Ruhe Politik für Deutschland machen? Überhaupt, diese Sachsen: Schon Biedenkopfs Vorvorgänger, Herr August der Starke, ist ja nicht nur durch seine Kulturtaten, sondern auch durch die Zügellosigkeit seiner lüsternen Wünsche zur Legende geworden.

Politik, durchs Schrödersche Guckloch betrachtet, ist ein rundum sinnliches Spektakel. Kohl nackt und Kurt auf der Lauer. Aber damit nicht genug: "Kohl mag es trösten, daß Scharpings Robe sehr durchsichtig ist."

Und nun betritt auch noch Edmund Stoiber Schröders gewagtes, ja prickelndes Kostüm- und Nacktstück: "Sein Hemd (Stoibers Hemd, die Redaktion) ist ihm näher als Kohls Rock."

Stoibers Wäsche, welch ein Anblick! Aber wieso Kohls Rock? Kohl ist doch nackt (und Biedenkopf als Spanner entlarvt)! Hier stimmt ja einfach gar nichts, vorne nichts und hinten erst recht nichts. Also: Vorhang zu – und alle Phrasen offen! Finis