Immer wenn wieder eine Wirtschaftsprognose für 1994 präsentiert wird, läßt die Bundesregierung wissen: "Viel zu pessimistisch!" Über die Stagnationsgutachten des DIHT, des Bankenverbandes und der "Fünf Weisen" vom Sachverständigenrat schütteln Bundeswirtschaftsminister Rexrodt und seine Bonner "Silberstreif-Gruppe" nur mitleidig den Kopf: "Die Weisen lagen schon oft voll daneben." Und man flüstert: "Die Regierung rechnet anders."

Wie rechnet Rexrodt?

Diese geheimnisvolle Frage läßt auch die Europäische Management- und Marketing-Agentur (EMMA) nicht ruhen. Im Auftrag der Geschäftsleitung greift Direktionsassistent Dr. Günter P. zum letzten Mittel: zum Telephonhörer, um auf der Sonderleitung bei Agent DDT (Deep, Deep Throat) in Bonn die Antwort abzurufen.

"Der SuWa-Effekt", flüstert DDT.

"Wie bitte? SuWa-Effekt? Ein neues Waschmittel?"

"SuWa ist das Codewort für Super-Wahljahr", flüstert DDT. "1994 stehen bekanntlich zwanzig Wahlen an. Zehn Kommunalwahlen, siebenmal Landtage, einmal Europa, einmal Bundestag, einmal Bundespräsident. Zwanzig Wahlen! Ein Konjunkturförderungsprogramm erster Ordnung! Im Wahlkampf rollt der Rubel. Die Parteitage, die Anzeigenaktionen, die kleinen und großen Präsente! Eine Konjunkturspritze für Hotels und Gaststätten, für die Bundesbahn, für die Druckindustrie..."