FREIBURG. – Was mag den Professor bewogen haben? Die Schulden, die ihn – so heißt es – geplagt haben sollen? Niedere Machtinstinkte? War es der schmale, aber stete Nebenverdienst? Oder die Abhängigkeit seiner Tutorin? Die Universität jedenfalls hat ihren Skandal.

Die Geschichte ist rasch erzählt: Neun Jahre lang soll ein Professor, Institutsleiter an der Medizinischen Fakultät, von einer Tutorin Geld dafür verlangt haben, daß er sie angestellt und ihren Vertrag jeweils verlängert hatte. Neun Jahre lang will ihm die wissenschaftliche Mitarbeiterin Monat für Monat, diskret in einem Kuvert verpackt, 150 Mark auf den Schreibtisch gelegt haben, was zuletzt rund zehn Prozent ihres Monatsgehaltes ausmachte. Eingefordert hatte der Professor die kleine Extraleistung mit der Begründung, daß er seine "Handkasse" unterhalte, aus der kurzfristig auch andere Tutoren und Hilfskräfte finanziert würden.

Was der Tutorin zunächst keineswegs sonderbar vorkam. Während ihres Studiums in den USA waren ihr ähnliche Akte der Solidarität durchaus begegnet. Stutzig wurde sie erst, als am Institut ein weiterer Tutor eingestellt wurde, den der Professor von der Abgabe verschonte. Daraufhin weigerte sich die Tutorin im Sommersemester 1990 ebenfalls, den Obolus zu entrichten. Statt dessen forderte sie eine Quittung für die geleisteten Zahlungen ein.

Der Professor war erstaunt und verärgert. Einen Akademischen Rat bat er, die unwillige Mitarbeiterin doch wieder "zur Vernunft zu bringen". Und sie selbst ließ er wissen, es gebe "genug andere Tutoren", wenn sie nicht wieder zur gewohnten Praxis zurückfinde.

Das und mehr förderte jedoch erst die Verhandlung vor dem Landgericht zutage, an das sich die wissenschaftliche Mitarbeiterin schließlich wandte: Sie forderte ihr Geld zurück.

Der Saal war voll, das Interesse groß – und der Verlauf denkbar schlecht für den Professor: Ein früherer Freund der Tutorin trat auf und bestätigte – häufig war er selbst dabei – die Gepflogenheit gegen Monatsende: Erst zur Bank, mal 150, mal 300 Mark abheben, anschließend zum Institut, wo die Freundin das Geld für Herrn Professor deponierte.

Der zweite Tutor trat auf und bezeugte, bei so mancher Auseinandersetzung um Barschaft und Belege zugegen gewesen zu sein. Und schließlich bestätigte auch der Akademische Rat die Nehmermentalität des Institutsleiters. Der habe ihn wiederholt gebeten, an seiner Stelle die von der Tutorin geforderten Quittungen auszustellen. Doch weder der Dozent noch der Tutor schöpften zu diesem Zeitpunkt Verdacht. Es sei, versicherten sie, an der Universität durchaus üblich, einen Pool zu bilden, aus dem Hilfskräfte bezahlt würden.