Die parlamentarische Verantwortung für Akte des Bundespräsidenten: Der Bundespräsident kann für seine Handlungen von niemandem zur Verantwortung gezogen werden, von der ganz theoretischen Möglichkeit der Amtsenthebung einmal abgesehen. In einer parlamentarischen Demokratie wäre dies der Beispielsfall einer systemwidrigen Verantwortungslücke. Deshalb hat das Grundgesetz in Artikel 58 des Prinzip der Gegenzeichnung (Contrasignatur) verankert: Was immer der Bundespräsident politisch Bedeutsames unternimmt – es bedarf der Gegenzeichnung durch den parlamentarisch verantwortlichen Kanzler oder Minister. Will das Parlament also den Bundespräsidenten kritisieren oder gar rügen, so kann und muß es sich an jenes Mitglied der Bundesregierung halten, das diese Aktion "gegengezeichnet" und damit auch die parlamentarische Verantwortung übernommen hat. Diese indirekte und heilsame Einbindung des Bundespräsidenten in die parlamentarische Verantwortung für die einheitliche Staatspolitik würde aber notwendigerweise gesprengt, sofern er einem zuständigen Minister auf dessen vorgetragene Bedenken erwidern könnte: "Kümmern Sie sich um Ihre Mehrheiten, nicht um meine."

Die Volkswahl des Bundespräsidenten, sie wäre also nicht etwa bloß eine milde Korrektur am Verfahren, sondern ein kompletter Bruch mit dem System. Eine unmittelbare Wahl unseres Staatsoberhauptes paßte nicht zu seinen neutralisierten Kompetenzen; ein eigenständiges Amt eines regelrechten Staatspräsidenten mit voller Kompetenz und direkter Wahl paßte nicht ins parlamentarische Gefüge unserer Verfassung.

Und was das zweite Mißverständnis betrifft: Wenn schon Plebiszite, dann um den Parteien innerhalb der parlamentarischen Verfassung von unten Dampf zu machen – und nicht systemwidrig von oben.