Ein Minister der letzten französischen Linksregierung kam jüngst über einer sehr deutschen Diskussion ins Grübeln. Warum hierzulande eigentlich immer nur vom Standort Deutschland die Rede sei und so gut wie nie vom Standort Europa?

Peter Glotz sprang dem französischen Sozialisten jetzt auf seine Weise bei. Die Franzosen, so erinnerte Glotz auf einer SPD-Konferenz über "Wissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung", hätten einst gut daran getan, zusammen mit Franz Josef Strauß "die Einwendungen der reinen marktwirtschaftlichen Lehre beiseite zu schieben, als sie den europäischen Airbus realisierten".

Über den Wolken schien die Freiheit damals noch grenzenlos zu sein. Heute geht es in den schweren Wettern der Krise wieder ziemlich begrenzt, kleinteilig, gar kleingeistig zu. Auch Peter Glotz glossierte vorwiegend über den Standort Deutschland, gewiß ganz arglos. Sonst hätte er den verstorbenen bajuwarischen Lieblingsfeind nicht zum Vorbild wider die technologische Mutlosigkeit erkoren, oder?

Apropos Mut in der Risikogesellschaft: Ein Zitat aus Glotz’ Rezept gegen "die mentale Krise" wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: "Wenn ein Turnschuh-Unternehmer in Deutschland zu einer Bank kommt und eine grandiose Idee vorlegt, wird er gefragt, ob er als Sicherheit ein Grundstück im Herzen von München oder Berlin vorweisen könne."

So viel zur Mobilität deutschen Kapitals, das sich doch gern über die Immobilität des "Faktors Arbeit" mokiert ...

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Von Europas Krise handelte auch Anne-Marie Le Gloannecs Vortrag in der Bonner Zentrale des Deutschen Industrie- und Handelstages. An Deutschland führe kein Weg vorbei, erklärte die Pariser Deutschlandforscherin, und das erzeuge auch in Frankreich Irritationen: "Welches Europa wird am Rheinufer, in Frankfurt, in Karlsruhe eigentlich gestaltet?"