Was die Chefs der großen Stahlunternehmen in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland und Luxemburg der Europäischen Kommission geschickt haben, nennt man wohl einen Brandbrief. Sie beschwören die Brüsseler Exekutive geradezu, den Subventionswünschen europäischer Wettbewerber zu widerstehen und endlich Ernst zu machen mit einem fairen Wettbewerb innerhalb der Gemeinschaft.

Der Wunsch ist nur zu berechtigt. Das ganze Elend der europäischen Stahlindustrie rührt daher, daß der notwendige Abbau von Überkapazitäten immer wieder daran gescheitert ist, daß die Länder der Gemeinschaft ihre potentiellen Pleitiers mit massiven Subventionen am Leben erhalten haben. Kurios ist nur, daß zu den Unterzeichnern des Briefes auch Chefs von Unternehmen gehören, die ihr Überleben ebenfalls staatlichen Hilfen verdanken.

In Großbritannien, wo sich British Steel moralisch auf ein besonders hohes Roß setzt, ist die Stahlproduktion in den Jahren von 1975 bis 1991 mit sage und schreibe 92 Mark je Tonne subventioniert worden, in Frankreich mit immerhin noch 69 Mark. Zwar weisen die Autoren des Briefes darauf hin, daß in diesen Ländern kräftig Kapazitäten stillgelegt worden sind, aber der Vergleich mit dem Pharisäer drängt sich doch auf. hgk