Die ganze Welt – ein Sportplatz. Die Zivilisationsgeschädigten wühlen sich auf Motorrädern durch die Sahara oder mit Schlittenhunden durch Alaska. Davon handelt das Buch Husky Trail von Dieter Kreutzkamp (Frederking & Thaler Verlag, München; 247 Seiten, 39,80 Mark).

Ein vermutlich amtsmüder deutscher Regierungsamtmann begibt sich in die Subkultur der Schlittenhundzüchter und -rennfahrer Alaskas und hält es offenbar für eine aller Welt mitzuteilende Grenzerfahrung, wenn diese musher sich auf der Jagd nach stattlichen Preisgeldern von einem Rudel Hunde über gut gespurte Loipen durch das winterliche Alaska schleppen lassen und dabei bösartige Bären und Elche zur Strecke bringen.

Besser ergeht es den kreuzbraven Huskies, denen das Werk im übrigen gewidmet ist: "Zeigen sich kleinste Anzeichen von Schwäche oder Verletzungen, werden die betreffenden Tiere in der Obhut von Rennveterinären in den Checkpoints zurückgelassen und ausgeflogen." Diese Pointe liefert auch einen kleinen Hinweis über die wohldosierte Abenteuerlichkeit des Unternehmens.

Weil der Autor von Frau und Tochter begleitet wurde, entfaltet sich im Buch kitschigste Familienprosa. "Bald sehe ich Juliana nur noch klein vor dem hohen Ufer des Yukon stehen. Zurück bleibt die Familie, die Geborgenheit, das warme Blockhaus, das Vertraute."

So schlidderte der schneesüchtige Schlittenfahrer dem 1800 Kilometer entfernten Nome an der Behringstraße allein entgegen – wären da nicht die Schlittenhunde: "Euch, meinen elf Hunden, gelten an diesem Tag meine Gedanken, denn ihr seid es, die mich durch dick und dünn führen werden." Kreutzkamps Prosa kennt keine Tabus, wenn es um Gefühlsduselei und die Wiedergabe noch der belanglosesten Dialoge geht.

Daß es sich hier um ein Buch über eine faszinierende Natur handeln könnte, ist ein Irrtum. In Wahrheit wird der hemmungslose Naturverbrauch beschrieben. Das Holz von vierzig Birken verfeuert die deutsche Familie, dazu verbraucht sie ungezählte Gallonen Flug- und Autobenzin. Wie es sich für einen Ratgeber gehört, gibt er dezidierte Tips zur Nachahmung.

Die Lektüre hinterläßt ihre Leser mit dem starken Bedürfnis, the last frontier vor Abenteurern zu schützen, die mit Kreditkarte bezahlen. Und ja, man bekommt Lust auf ein gutes Buch über Alaska, Jack Londons neunzig Jahre alten "Ruf der Wildnis" zum Beispiel. Olaf Krohn