Von Tinga Horny

Flug Nummer LH 404 von Frankfurt nach New York: Die beiden Herren in Reihe 21H und K, Economy Class, unterscheiden sich durch nichts von den anderen Passagieren. Die erste Viertelstunde nach dem Abflug unterhalten sie sich noch angeregt, dann ziehen sie sich hinter ihre Zeitungen zurück. Als endlich das Abendessen angekündigt wird, klappen die beiden wie alle anderen in freudiger Erwartung die Tische herunter – und kommen als erste dran. Die Stewardeß präsentiert zwei goldfarbene Kartons und fragt, ob sie diese in der Bordküche öffnen dürfe, um sie zu erhitzen? Die beiden nicken zustimmend, und jeder im Umkreis fragt sich: Was bekommen denn die?

In diesem Fall haben die Passagiere von Reihe 21H und K ein koscheres Menü bestellt. Die versiegelte Verpackung darf nur vor ihren Augen geöffnet werden. Die Mahlzeit aus der Spezialküche der Brüsseler Firma Lanxner wurde nach den Vorschriften des jüdischen Glaubens unter Aufsicht eines Rabbiners zubereitet und darf zum Beispiel kein Schweinefleisch enthalten.

Sondermenüs auf Flügen sind bedingt durch die wachsende Internationalisierung des Reiseverkehrs längst keine Seltenheit mehr. Allein bei der Lufthansa Service GmbH (LSG) hat sich in der letzten Dekade die Zahl der Sonderwünsche verzehnfacht. Stellte zu Beginn der achtziger Jahre die LSG nur achtzig bis hundert Spezialmahlzeiten pro Tag her, so sind es mittlerweile tausend.

Es gibt zwei klassische Gründe, warum ein Fluggast ein spezielles Menü, im Airline-Jargon Special Meal, für seine Reise bestellt: Entweder er darf aus religiösen Motiven nicht alles essen, was die Fluggesellschaften aufs Tablett bringen, oder aus gesundheitlichen Gründen. Hindus haben beispielsweise komplizierte Essensregeln zu beachten. Da gibt es einerseits die Vegetarier, die bisweilen nicht einmal Wurzelgemüse (Ingwer, Kartoffeln, Karotten) essen, andererseits diejenigen, deren Ernährungsweise zwar Fleisch erlaubt, aber natürlich nicht vom Rind.

Für Diabetiker gab es immer schon besondere Menüs. Mittlerweile kann fast jedes Leiden kulinarisch berücksichtigt werden: Außer kalorienreduziert und cholesterinarm wird purinarm gekocht für Passagiere mit Nierenproblemen oder laktosefrei für Milchallergiker.

Ein dritter Grund, warum in letzter Zeit bei den Fluglinien immer mehr Sondermenü-Bestellungen eingehen, liegt im wachsenden Ernährungsbewußtsein der Vielflieger. Reiseerprobte wissen, daß sie Langstreckenflüge am besten mit einem magenschonenden Essen – kein Fleisch, kein Alkohol, leichte Vollst, die nicht bläht – überstehen. "Der Trend heißt leicht und gesund essen", erklärt LSG-Sprecherin Regina Faets.