Steigende Kosten zwingen Schweizer und Österreicher bei ihrer Fremdenverkehrswerbung in Deutschland zu sparen. Die beiden Alpenländer gehen jedoch unterschiedliche Wege.

Österreich will potentielle deutsche Urlauber künftig nur noch per Telephon oder per Post informieren. Bis zum Jahresende stellt das Büro in Berlin seinen Publikumsverkehr ein. Die Auskunftsstellen in Frankfurt/M. und Köln werden in der zweiten Jahreshälfte 1994 damit folgen. In Hamburg gibt es bereits seit dem Sommer keine Besucherauskunft mehr. Kundenanfragen beantwortet dann ausschließlich die Österreich Information in Taufkirchen bei München (Tel. 089/666 70-100), die auch den Versand von Broschüren übernimmt.

Mit diesen Maßnahmen erhofft die Österreich Werbung jährlich eine halbe Million Mark einzusparen, das sind rund fünf Prozent ihres bundesdeutschen Etats. "Der Publikumsverkehr ist unrentabel", erklärt Klaus Stephan, Leiter der Österreich Werbung in Deutschland, obwohl pro Jahr 50 000 Interessenten die Auskunftsbüros besuchen. Die Mehrheit – rund 200 000 Personen – erkundigt sich schon heute überwiegend per Telephon. Dieser Informationskanal soll verbessert werden: durch zusätzliches Personal und weitere Telephonschaltungen in der Zentralstelle Taufkirchen.

Der eigentliche Grund für die Rationalisierung sind die hohen Büromieten in den Metropolen. Deswegen verlegten die Österreicher ihre Vertretungen aus den Zentren an die Peripherie. Auskunftsstellen mit Publikumsverkehr machen dort jedoch wenig Sinn. Auch die Schweizer Touristiker wollen ihre Auslandswerbung reformieren, um Kosten zu sparen. Die Ergebnisse der Studie des Unternehmensberaters Nicolas Hayek, die die Effizienz der Schweizer Image-Werbung überprüfte, liegen auf dem Tisch. Erste Konsequenz der Untersuchung: Ab Ende Februar 1994 schließen die Eidgenossen ihre Niederlassung in Stuttgart.

Auf Besucher und persönliche Beratung wollen sie jedoch vorerst nicht verzichten: Im April 1994 öffnet ein neues Auskunftsbüro in Berlin, Unter den Linden, seine Pforten – in bester Lage und mit Publikumsverkehr. Ralf Frädtke