Von Wolfgang Köhler

Als Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt jüngst bezweifelte, daß die Rente auch in den Jahren 2020 und 2030 noch sicher ist, hätte er den deutschen Lebensversicherungen keinen größeren Gefallen tun können. Denn erstens kurbelt jede öffentliche Rentendiskussion das Neugeschäft der Branche kräftig an, indem sie bei den Verbrauchern das Bedürfnis nach zusätzlicher Eigenvorsorge weckt. Und zweitens lenkte der Wirtschaftsminister mit seinen Äußerungen die Öffentlichkeit von der Tatsache ab, daß sich auch die Bedingungen für die Lebensversicherung in der jüngsten Vergangenheit Schritt für Schritt verschlechtert haben.

Der Assekuranz ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, die Kapitallebensversicherung als ideales Instrument der Altersvorsorge darzustellen. Dabei hat das Problem der Sicherung des Lebensstandards im Alter mit Versicherung eigentlich überhaupt nichts zu tun. Und die Hinterbliebenenvorsorge läßt sich billiger und genausogut mit der reinen, viel billigeren Risikolebensversicherung erreichen. Private, individuelle Altersvorsorge ist grundsätzlich nur durch Sparen möglich. Doch im Wettbewerb um Vorsorgesparer hatten die Versicherungsmakler früher stets ein überzeugendes Argument auf ihrer Seite: die Steuerfreiheit der Erträge aus langfristigen Lebensversicherungsverträgen. Da konnten die Banken und Sparkassen nicht mithalten, auch wenn die – steuerfreien – Renditen auf eingezahlte Lebensversicherungsbeiträge in der Vergangenheit meist nur vier oder fünf Prozent betrugen und allenfalls bei wenigen besonders leistungsfähigen Versicherern sechs Prozent erreichten.

Inzwischen stimmt der Vergleich allerdings nicht mehr. Seit Anfang 1993 gelten viel höhere Sparerfreibeträge als zuvor. Auch Erträge aus anderen Geldanlagen kann der Sparer bis zur Grenze von 6000 Mark (Ledige) beziehungsweise 12 000 Mark (zusammen veranlagte Ehepaare) plus Werbungskosten jetzt steuerfrei vereinnahmen. Da muß die Lebensversicherung plötzlich dem Vergleich mit einer Vielzahl von Konkurrenz-Anlageformen standhalten. Schon dabei stellt sich die Kombination des Sparens mit einer Versicherung plötzlich als renditemindernde Belastung des reinen Sparvorgangs heraus. Und nun kündigt die Branche auch noch landauf, landab an, sie müsse ihre Versprechungen hinsichtlich der Überschußbeteiligungen reduzieren. Das bedeutet, die Lebensversicherungsrenditen der nächsten Jahre fallen noch dürftiger aus als in der Vergangenheit.

Soll man unter diesen Umständen laufende Verträge überhaupt noch weiterführen? Lohnt es jetzt noch, Monat für Monat die hohen Beiträge zu zahlen? Bringen nicht andere Anlageformen viel höhere Erträge, die man im Rahmen der steuerlichen Freibeträge genausowenig versteuern muß?

Wie so oft im Leben gilt auch hier: Übereilte, unüberlegte Schritte können teuer werden. Rüdiger Falken hat sich der Frage ganz systematisch genähert. Der gerichtlich zugelassene Versicherungsberater hat eine Methode entwickelt, mit der sich auf Heller und Pfennig überprüfen läßt, ob die Fortführung einer bestehenden Kapitallebensversicherung oder eine Vertragsänderung sinnvoll ist oder nicht. Dabei ermittelt Falken mit Hilfe der Daten des Einzelfalls und eines speziellen Computerprogramms diejenige Rendite, die der Versicherte etwa im Falle einer vorzeitigen Kündigung mit alternativen Anlageformen erzielen müßte, um damit bis zum Ende der regulären Versicherungslaufzeit zum gleichen Ergebnis zu kommen wie mit der Kapitallebensversicherung. Als Maßstab dient dabei die vom Versicherungsunternehmen genannte voraussichtliche Auszahlung bei Ablauf der Police.

Mit dieser Methode hat Falken schon merkwürdige Ergebnisse zutage gefördert. Im Sommer 1992 wollte einer von Falkens Kunden, nennen wir ihn Walter Norden, wissen, ob sich die Sparerei überhaupt noch lohnt. Norden hatte seit April 1969 Monat für Monat 52 Mark bei seiner Lebensversicherung eingezahlt – in der Hoffnung, nach 30 Jahren ein hübsches Sümmchen zu kassieren.