Von Ludwig Siegele

Anfang Dezember des Jahres 2003: Schon während des Wochenendes waren erste Gerüchte durchgesickert. Aber als die beiden Chefs der deutschen Telekom und der France Telecom dann am Montag auf zeitgleichen Pressekonferenzen in Berlin und Paris die Nachricht bestätigten, war die Überraschung doch groß: Die beiden Fernmelderiesen fusionieren, um im weltweiten Wettbewerb besser bestehen zu können.

Schon in einigen Monaten soll die Fernmeldeunion von Deutschland und Frankreich total sein: Kabel, Vermittlungsstellen und Telephonapparate wollen die beiden Aktiengesellschaften künftig nur noch gemeinsam beschaffen. Minitel, der erfolgreiche französische Bildschirmtext-Terminal, wird demnächst auch in der Bundesrepublik verteilt. Und bald sollen auch die Einheitenzähler auf beiden Seiten des Rheins gleich schnell ticken.

Reine Utopie? Was Helmut Ricke und Marcel Roulet, derzeit die obersten Fernmelder in Deutschland und Frankreich, am Dienstag dieser Woche in Brüssel ankündigten, könnte durchaus einmal zu einer Fusion der beiden Telekommunikationsriesen führen, auch wenn Ricke das jetzt noch weit von sich weist: Bis 1995 wollen die deutsche Telekom und France Telecom eine gemeinsame Tochter gründen mit fast drei Milliarden Mark Umsatz und viertausend Beschäftigten.

Hoch über den Dächern der belgischen Hauptstadt, im "Skyroom" des 11 ITT-Hochhauses, machten der Deutsche und der Franzose vor den extra eingeflogenen Journalisten jedenfalls keinen Hehl aus den ehrgeizigen Kooperationsplänen der beiden Unternehmen: "Wir rufen einen wettbewerbsfähigen Telekom-Anbieter ins Leben, der sich auf dem Weltmarkt beweisen kann", erklärte France-Telecom-Chef Roulet den Sinn der "strategischen Allianz".

Es ist freilich nur ein Grundstein, den die beiden Manager jetzt legten. Demnächst wollen ihre Unternehmen vor allem ihre Datenübertragungsdienste, den französischen Transpac- und den deutschen Datex-P-Service, miteinander verschmelzen und ihren größten Kunden europaweit intelligente Telephonnetze mit attraktiven Tarifen anbieten. Gerade drei Prozent ihres Umsatzes werden sie dann zusammen erwirtschaften.

Aber das gemeinsame Haus soll schnell Gestalt annehmen. Die Pläne dafür sind schon gezeichnet – in Form einer gemeinsamen Absichtserklärung, die Ricke und Roulet am Dienstag unterschrieben. Mittelfristig wollen die deutsche Telekom und France Telecom etwa zusammen Ferngespräche überall in Europa verbinden. Und langfristig fassen sie sogar ins Auge, ihre Telephonnetze, nach wie vor das Herz jeden Fernmeldewesens, komplett zu verknüpfen.