Nach der Absage der Renault-Volvo-Fusion durch die schwedischen Partner reagierten die düpierten Franzosen so wie der Bräutigam, den die Braut kurz vor dem Altar im Stich läßt: verärgert und beleidigt, aber ohne klare Vorstellungen, wie es weitergehen soll.

Auf der Chefetage des französischen Staatsbetriebs scheint die Neigung groß, erst mal auf Distanz zu gehen – auch wenn die französische Regierung glaubt, noch sei nichts verloren. "Das war ein strategischer Fehler." Renault-Präsident Louis Schweitzer machte nach der Entscheidung von Stockholm keinen Hehl aus seiner "großen Enttäuschung". Es sei jetzt "extrem schwierig, die Kooperation ohne eine gemeinsame Zukunft fortzusetzen".

Ein Beispiel dafür sei, so der französische Manager, das Chassis, das die beiden Unternehmen für eine neue Generation von Luxusautos (P4 Projekt) entwickeln wollten. Wie, so fragt Louis Schweitzer, sollten denn nach den Ereignissen die "Kooperation, das Vertrauen und die völlige Offenheit" garantiert werden, die zwischen den Ingenieuren der beiden Unternehmen dringend notwendig seien, um ein solches Projekt erfolgreich abzuschließen?

Dieses und andere gemeinsame Vorhaben will Schweitzer nun "Fall für Fall" darauf abklopfen, ob sie fortgesetzt werden können. Die bisherigen Errungenschaften der Autoallianz wie die gegenseitigen Kapitalbeteiligungen oder die gemeinsame Produktion von Getrieben oder Motoren scheint er dabei allerdings offenbar nicht in Frage zu stellen.

Aber der Franzose hat wenig Hoffnung, daß die beiden Partner nach einigen Monaten der Besinnung wieder zueinander finden, etwa wenn Renault einmal privatisiert sein sollte: "Dafür wären viele neue Fakten von seiten Volvos nötig." ls