Gehts ruhig auf ein Glaserl Wein." Der erste Scherz des populären Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk nach seiner Handoperation entsprach seinem Naturell, aber kaum der Stimmung der Österreicher. Seit vergangenem Freitag sind insgesamt neun Briefbomben entdeckt und vier Opfer schwer verletzt worden. Die Ermittlungen der Sicherheitsbehörden konzentrieren sich auf rechtsextreme Gruppen: Bekennerbriefe beziehen sich auf Graf Rüdiger von Starhemberg, den Verteidiger Wiens gegen die Türken im Jahre 1683. Das erste Opfer war eine Fernsehmoderatorin, das zweite ein steirischer "Flüchtlingspfarrer". Tags darauf konnte die Bombe, die an Caritas-Chef Helmut Schüller adressiert war, rechtzeitig abgefangen werden. Nicht so die vierte: Am Sonntag abend zerfetzte sie die linke Hand von Helmut Zilk, der in seiner Wohnung die Privatpost öffnete. Die erste Hilfe seiner Frau rettete ihn vor dem Verbluten. Vier weitere Bomben wurden, danach rechtzeitig entdeckt. Eine fünfte fügte einer achtzehnjährigen Sekretärin eines Wirtschaftsanwalts Verletzungen zu. Zunächst schien dieser Anschlag nicht in die Reihe zu passen. Dann stellte sich heraus: Der Anwalt war für einen islamischen Kulturverein tätig, dessen Post ihm zugestellt wird. Weitere Bomben – hergestellt aus flüssigem Nitroglyzerin, verpackt in schmale kleine Umschläge – könnten noch unterwegs sein, warnen die Behörden.

Nach dem Attentat auf Zilk folgte eine Auseinandersetzung der Obleute aller fünf Parlamentsparteien im Fernsehen. FPÖ-Vorsitzender Jörg Haider mußte sich von seiner einstigen Weggefährtin Heide Schmidt harte Vorwürfe gefallen lassen. "Das Jahr hat mit einem Anti-Ausländer-Volksbegehren begonnen und endet mit dieser Terrorwelle", so die Gründerin des Liberalen Forums. Haider, der in ersten Stellungnahmen die "Ausländerpolitik der Regierung" und den "Balkankrieg" für die Anschläge verantwortlich machte, schwenkte um angesichts der Betroffenheit vieler Bürger. Er werde seine Sprache etwas mildern. Dann suspendierte er "vorerst" seinen Kärntner Statthalter Reinhard Gaugg. Der hatte dank seiner "heiteren" Buchstabierung des Wortes "Nazi" (neu, attraktiv, zielstrebig, ideenreich) überregionale Aufmerksamkeit erlangt. Peter Pelinka (Wien)