Von Peter Kanzler

Seit Jahren gilt Burkhard K. bei Freunden und Kollegen als Vielflieger, der auf deutschen Flughäfen jeden Zeitungskiosk kennt – nur die Deutsche Lufthansa (LH) akzeptiert ihn nicht als "Frequent Traveller". Trotz einer stattlichen Anzahl an LH-Flügen – im vergangenen Jahr sammelte er 38 Bordkarten – erreicht der Frankfurter Werbegraphiker den nötigen Ticketumsatz von 20 000 Mark pro Jahr nicht. Sein Manko: Er reist zumeist mit Economy-Tickets.

Solch sparsame Geschäftsreisende finden keine Aufnahme in den noblen Wartesälen der Airlines. Wer jedoch als 20 000 Mark-"Frequent Traveller" oder als First-class-Passagier unterwegs ist, wird gehätschelt: Zeitungen und Magazine, Gummibärchen und Erdnüsse, Softdrinks und Alkohol stehen zur freien Verfügung. Selbst Ortsgespräche werden mitunter kostenlos gestattet. Wer will, kann zudem Faxnachrichten absetzen oder Unterlagen photokopieren.

Rund 1,5 Millionen Passagiere wurden 1993 in den 21 deutschen Lufthansa-Lounges mit Drinks versorgt. "Allein in München", so LH-Manager Gunter Grüner, "registrieren wir jährlich mehr als 270 000 Benutzer."

Doch nicht nur an den großen Airports wie Frankfurt, Düsseldorf oder München haben die Airlines solche speziellen Wartesäle eingerichtet: Die Lufthansa hat etwa auch in Bremen und Nürnberg, Leipzig und Dresden exklusive Aufenthaltsräume für ihre Passagiere angemietet. Selbst am Flughafen Münster/Osnabrück wird im neuen Terminal – Fertigstellung Mai 1995 – ein Vielflieger-Lounge eröffnet.

Nicht nur die Lufthansa umhegt derart ihre Vielflieger. Kaum eine international renommierte Airline – von American Airlines bis Zambia Airways –, die ihre besten Kunden nicht bereits am Boden verwöhnt. Air Canada lädt ihre best clients in die "Maple Leaf Lounge", Qantas Airways in den "Captains Club" und Trans World Airways in den "Ambassadors Club". Selbst Aeroflot unterhält am Moskauer Flughafen Sheremetjewo II einen "VIP-Club" mit Spielautomaten und Cocktailbar.

Die Luftlinien lassen sich den Unterhalt dieser Einrichtungen einiges kosten: Für ihren "Salon Air France" am Düsseldorfer Flughafen gab die französische Luftlinie rund 150 000 Mark aus. Für die drei Lounges am neuen Münchner Flughafen investierte die Lufthansa sogar knapp zwei Millionen Mark.