Von Christine Brasch

Wie mag es dort aussehen, wo Christkind, Weihnachtsmann und Nikolaus ihre Säcke fallen? Eilen und fliegen dort himmlische Heerscharen auf rosa Wolken, bemüht, jede Bestellung der himmlischen Lieferanten zu erfüllen?

Wer dort war, weiß ein anderes Lied zu singen. Himmlisch ist allenfalls die einlullende Musik, alles andere mutet höchst irdisch an: Von Kerzenschimmer zwischen den weit übermannshohen Regalen in der Lagerhalle keine Spur, und niemand eilt und fliegt für die Kunden. Vor dem Ausgang sitzen sieben, acht Kassiererinnen und bündeln Bares. Noch etwas weicht vom himmlischen Vorbild ab: Hier sind Kinder zugelassen. Offenbar sehen längst nicht mehr alle Eltern Weihnachten als Fest der Überraschungen an. "Willst du nicht vielleicht das Shopping-Center mit dem echten Laufband?" wird eine Dreijährige fast bettelnd von ihrer Mutter gefragt, und die Antwort ist eindeutig: "Neiiiin!" Andere Eltern in grellbunten Trainingsanzügen mit drei Kindern zwischen zwei und acht halten dem Quengeldruck nicht mehr stand: "Also schmeißt rein, was ihr haben wollt, und dann raus hier!" zischt die entnervte Mutter.

Viele aber suchen die Geschenke sorgfältiger aus: Jung gebliebene Großmütter kommen mit Schwiegertochter, aber ohne Enkel: "Guck mal, da fährt er bestimmt drauf ab! Aber kann er damit auch schießen?" Und eine Mutter von zwei kleinen Töchtern kauft bestimmt auch ein bißchen für sich selbst: "Also die Hollywood-Barbie für Denise zum Nikolaus und die andere für Jennifer", raunt sie ihrem Mann zu, der sinnend die riesigen ferngesteuerten Tracks betrachtet.

Mit dem Ruf, besonders preiswert zu sein, macht die amerikanische Spielwarenkette Toys "R" Us nach eigenen Angaben rund zehn Prozent des gesamten deutschen Spielzeugumsatzes. Die Kundschaft fährt zig Kilometer, um große Stücke im Sonderangebot tatsächlich bis zu dreißig Mark billiger zu bekommen. Durchaus nicht immer günstige Preise bei kleinerem Spielzeug und mangelnde Beratung nehmen sie dafür in Kauf. "Unsere Kunden lieben die Supermarktatmosphäre, sie können sich in Ruhe alles ansehen, ohne ständig eine Verkäuferin im Nacken zu haben", sagt Amt Klöser, der Geschäftsführer für Zentraleuropa. Tatsächlich ist es beeindruckend, nicht eins, sondern gleich zehn Rutschautomodelle vor sich zu haben. Aber ob Amt Klöser schon einmal mit zwei quengelnden Kindern in der Schlange vor dem (einzigen) Beratungstresen warten mußte, um sich eine kleinkindgroße Kranpackung zur näheren Ansicht öffnen zu lassen? Und hat er sich dann wohl mit denselben Kindern noch in die nächste Schlange an der Kasse eingereiht?

Immerhin, wer warten muß, hat Zeit genug, die verschiedenen Typen der Miteinkäufer zu betrachten.

Da sind zuerst die Vegetarier. Ihnen kommt nur Holz in die Einkaufstüte aus Baumwolle, Puppen brauchen keine Gesichter, ihre Kinder keine Plastik-Geburtstagsgewinne, und bei manchen sind sogar Systembausteine verpönt, weil beim Zusammenbau von Stein zu Stein Druck ausgeübt wird. Das Vegetariertum ist nach dem dritten Geburtstag des ersten Kindes schwer durchzuhalten, denn spätestens dann bekommt jedes Kind Einblick in die wunderbare Welt des Kunststoffs und der batteriebetriebenen Spielwaren.