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  • Anstatt im Alleingang auszusteigen, sollte die Bundesrepublik sich um die Marktführerschaft für risikoarme Atomkraftwerke bemühen.

Dieser letzte Gedanke riecht etwas streng, nämlich nach Unmoral, nach Opportunismus. Doch nichts wäre gewonnen, wenn die Bundesrepublik aus der Kerntechnik ausstiege. Dreiundachtzig AKWs werden zur Zeit errichtet, elf davon in Entwicklungsländern. Es werden die "Schwellenländer" sein, besonders die im Fernen Osten, die den Atompfad beschreiten. Gut, warum nicht mit japanischer Technik: Die Japaner, oft übrigens als ökologische Musterknaben des Energiesparens gepriesen, sie sind in fast allen AKW-Disziplinen am Start, vom Riesenbrüter bis zum Mini-Hochtemperaturreaktor. Sie würden das Marktpotential der deutschen Kernindustrie gerne übernehmen.

Mögen sie ruhig – es wäre nicht das Schlimmste. Aber wie gefällt uns dies Szenario: Deutschland zieht sich vornehm zurück, entschlägt sich der Verantwortung für Risiken der Kerntechnik, und die Welt baut fleißig neue AKWs, zum Beispiel japanische, britische, französische, amerikanische und, nicht zu vergessen, auch russische.

Wieso um alles in der Welt soll sich ausgerechnet dieses Land der Techniker und Ingenieure nicht darum bemühen, die Kerntechnik sicherer zu machen? Gerade das hiesige kerntechnische Potential könnte eine Schlüsselrolle spielen, denn es ist – vorläufig noch – das entwickeltste der Welt, jedenfalls soweit sich das an der Verfügbarkeit der Kraftwerke ablesen läßt.

Hier ist ein Thema für eine "Standortdebatte", die von globaler Verantwortung nicht abgekoppelt bliebe. Anstatt die Atomkraft als unveränderbar Böses abzulehnen, könnten Linke und Grüne offensiv Forderungen formulieren, wie und für wen die Technik in Zukunft gestaltet werden soll. Und sie bezögen eine Position zur Energiepolitik, die auch aus internationaler Perspektive begründet ist.