Von Wolfgang Zank

Am 10. Dezember, also am Freitag dieser Woche, wird in Stockholm wieder die Vergabe der Nobelpreise gefeiert. Wie bereits seit einigen Wochen feststeht, erhalten die beiden amerikanischen Wirtschaftshistoriker Robert Fogel und Douglass C. North gemeinsam den Preis für ihre ökonomischen Erkenntnisse. Viele vom Fach, darunter selbst Preisträger wie der Norweger Trygve Haavelmo, bestreiten allerdings grundsätzlich den Sinn einer derartigen Auszeichnung. In der Tat wirkt die Auswahl oft recht subjektiv. Der Ökonomiepreis hat mit den Intentionen des ursprünglichen Stifters jedenfalls nichts mehr zu tun. Im Grunde ist der Nobelpreis in Ökonomie gar kein Nobelpreis.

Kurz vor seinem Tode 1896 bestimmte der schwedische Chemiker und Geschäftsmann Alfred Nobel, sein beträchtliches Vermögen solle einem Fonds übertragen werden. Dessen Einnahmen sollten alljährlich als Anerkennung an diejenigen ausgezahlt werden, "die im verflossenen Jahr der Menschheit die größten Verdienste erwiesen haben". Die bedeutendsten "Entdeckungen oder Erfindungen" auf den Gebieten Physik, Chemie und Medizin sollten prämiert werden und auf dem Felde der Literatur "das herausragendste Werk mit einer idealistischen Tendenz". Auch die Person, die "am meisten für die Annäherung der Völker" leistete, sollte geehrt werden. Und Nobel bestimmte, daß die Nationalität der Kandidaten bei der Auswahl keine Rolle spielen dürfe.

1896, in einer von Nationalismus und Imperialismus vernebelten Zeit, war die Idee eines gutdotierten internationalen Preises bahnbrechend. Da Schweden in den dann folgenden Weltkriegen und im Kalten Krieg neutral war (oder jedenfalls so tat), blieb der Preis in den meisten Ländern unverdächtig und wurde nach und nach zu einer international renommierten Auszeichnung.

Die preiswürdigen Fächer spiegelten die Neigungen des Stifters wider. Nobel war ein brillanter Chemiker – er erfand unter anderem das Dynamit – und interessierte sich für Medizin und Physik. Auf diesen Gebieten gab es folglich Preise, aber beispielsweise keinen für Biologie. Der kultivierte Nobel galt als Literaturkenner, aber Malerei oder Architektur sagten ihm wenig. Die Sicherung des Friedens lag ihm sehr am Herzen; er finanzierte unter anderem die pazifistischen Kongresse der österreichischen Baronin Bertha von Suttner. Auch derartige Aktivitäten wollte er mit seinem Preis unterstützen.

Zur Ökonomie hatte Nobel ein äußerst unkompliziertes Verhältnis. Er war als Geschäftsmann sehr erfolgreich. Am Ende seines Lebens verwerteten neunzig von ihm gegründete Fabriken in zwanzig Ländern 350 seiner Patente. Aber ein Preis für nationalökonomische Theorie wäre ihm nie in den Sinn gekommen.

1968, fast siebzig Jahre nach Nobels Tod, kam jedoch Per Asbrink, der damalige Gouverneur der schwedischen Reichsbank, auf die Idee, sich an den internationalen Ruhm der Nobelpreise anzuhängen. Zur Feier des 300jährigen Jubiläums des Instituts stiftete es einen "Nobelpreis" für Ökonomie. Weil natürlich niemand einfach nachträglich Nobels Testament ändern konnte, hieß die Lösung: "Preis der Zentralbank Schwedens für die ökonomische Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel". Aber diese Feinheiten gingen rasch im Preisverleih-Trubel der folgenden Jahre unter.