Wie sein Vorgänger Erik Lundberg ist auch Assar Lindbeck ein liberaler Ökonom. Das Wort "liberal" hat bei beiden jedoch eine verschiedene Bedeutung. Erik Lundberg war überzeugter Marktwirtschaftler, gleichzeitig aber immer offen für Argumente anderer. Bei den schwedischen Ökonomen genoß er in allen Lagern großen Respekt. Diese Liberalität schlug sich auch in der Preisvergabe nieder: Der technisch virtuose, aber inhaltlich eher fade Paul A. Samuelson wurde ebenso ausgezeichnet wie der kapitalismuskritische Gunnar Myrdal oder der marktradikale Fundamentalist Friedrich von Hayek.

Lindbeck hingegen, seit 1980 Vorsitzender, entwickelte sich vom Sozialdemokraten und Tennispartner von Premier Olof Palme langsam, aber sicher zum Vordenker des bürgerlichen Lagers. Im November 1992 ernannte der konservative Premier Carl Bildt den Ökonomen sogar zum Leiter einer Expertenkommission, die neue wirtschaftspolitische Richtlinien für Schweden erarbeiten sollte; die Regierung selbst war ratlos, nachdem die internationalen Valutamärkte eine Abwertung der Krone erzwungen und damit eine tragende Säule ihrer Politik zertrümmert hatten.

Lindbeck, ein Neoklassiker mit keynesianischen Restbeständen, baute sich seine starke Stellung im bürgerlichen Lager nicht zuletzt durch lange und wiederholte Attacken auf das Schwedische Modell auf. Er polarisierte oft. Vor allem aber konnte Lindbeck der Versuchung nicht widerstehen, sich mittels der Nobelpreise Schützenhilfe für seine Attacken auf das Schwedische Modell zu organisieren.

Zu Nobels Zeiten war das intellektuelle Klima Schwedens sehr stark von Frankreich und Deutschland geprägt. Seit 1945 haben die Vereinigten Staaten diese Position inne. Dies gilt insbesondere für die Universitätsökonomen. Wie viele seiner Kollegen lebte und arbeitete auch Assar Lindbeck lange Zeit in den USA. Es überrascht kaum, daß unter seiner Ägide rund drei Viertel der Laureaten US-Amerikaner waren. Für die Probleme der Dritten Welt interessiert sich Lindbeck dagegen kaum. Seit seiner Amtsübernahme wurde trotz wiederholter Hungerkatastrophen oder anhaltender Schuldenkrise kein einziger Entwicklungstheoretiker geehrt. In den siebziger Jahren war das mit den Auszeichnungen an W. Arthur Lewis und Gunnar Myrdal anders.