ZEIT: Was hat die evangelische Kirche gegen homosexuelle Pastoren, die mit ihrem Partner zusammenleben möchten?

Hirschler: Zunächst, wir sind in der Kirche in einem noch nicht beendeten Gespräch. Nach der Bibel ist der Mensch geschaffen als Mann und Frau und aufeinander bezogen. Es ist die biblische Forderung, daß die Sexualität in einer festen Beziehung, der Ehe zwischen Mann und Frau, gelebt werden soll. Die Partner in dieser auf Dauer angelegten Beziehung sollen sich gegenseitig Liebe und Geborgenheit schenken und – jedenfalls grundsätzlich – bereit sein, das Leben in den Kindern weiterzugeben.

Wenn ein Pastor nun durch sein Lebenszeugnis etwas anderes vermittelt, wird die biblische Botschaft unklar. Die Bereitschaft zur Ehe fällt ja nicht vom Himmel, sie ist nicht einfach biologisch vorgegeben. Sie muß vielmehr immer wieder neu eingesprochen und kulturell vermittelt werden.

ZEIT: Aber auch Schwule streben feste Beziehungen, ja sogar die Ehe an.

Hirschler: Eine Ehe kann es ja wohl nicht sein. Ein Homosexueller hat den elementaren Mangel, daß er keine das Sexuelle einschließende Beziehung zum anderen Geschlecht aufnehmen kann. Das ist sein Schicksal.

ZEIT: Hat nicht jeder Mensch das Recht, so zu leben, wie ihn Gott geschaffen hat?

Hirschler: Wir wissen nicht, wie Homosexualität wirklich entsteht. Es ist jedoch ein großer Unterschied, ob man Homosexualität als ein von Gott auferlegtes Schicksal begreift oder ob man fordert, aufgrund des Rechts sexueller Selbstbestimmung müsse die homosexuelle Partnerschaft von Pastoren dieselbe Anerkennung bekommen wie die Ehe. Nicht alles, was sexuell gewünscht wird, ist auch hilfreich.