Ein deutscher Herbst, irgendwann in den neunziger Jahren. Es regnet wie zu Zeiten der Sintflut, und politisch stehen die Zeichen auf Sturm. Kanzlerkrise, Putschgerüchte, der Parteitag, die Rechtsradikalen, das Attentat, ein Unfall. Im Leben des Abteilungsleiters Wolfgang Klaasen gerät einiges durcheinander, in der Welt des Kanzlers K auch. Es ist wie im richtigen Leben. Oder wie im Film. Oder im Roman. Eine Geschichte auf drei Ebenen. Welche ist die Wirklichkeit?

Die Welt, in der diese Gesetze gelten, ist die Welt des Kanzlers K. In ihr ist er groß geworden, nach ihren Gesetzen wird er fallen. Er weiß das. Danach handelt er, mitleidlos, brutal, erfolgreich. Bis zum Ende. Werden wir es erleben?

K steht für Klumper. Er könnte auch Kohl heißen, aber das wäre plump. Außerdem stammt K. aus Baden Württemberg und ist nur 177 Zentimeter groß. Das macht einen Unterschied. Doch der spielt keine Rolle. Dieser K ist auf allen drei Ebenen identisch mit dem real existierenden K , "eine politische Kampfmaschine" nennt ihn der Romanautor. Eine Machtnatur. Im Film, der aus dem Roman entstand, tritt er nicht auf, prangt nur auf Plakaten. Aber K bestimmt den Hintergrund des Geschehens, in dem es um sein politisches Überleben geht. Im Vordergrund agieren diejenigen, die dabei auf der Strecke bleiben.

Wolfgang Klaasen zum Beispiel. Ein kluger Kopf, promovierter Politologe. Er leitet die Politische Abteilung der "Regierungspartei", wie es aus öffentlich rechtlicher Rücksichtnahme - etwas verschämt heißt. Obwohl es sich dabei einwandfrei um die CDU handelt, für die der Autor der Romanvorlage viele Jahre als Leiter ebendieser Abteilung tätig war, paßte das Ambiente auch auf die SPD, versichert der Produzent des Films. Der wiederum hatte, auf der anderen Seite der Bundesstraße 9 in Bonn, in der "Baracke" mehrere Jahre als Leiter der Abteilung für Öffentlichkeit gewirkt. Die beiden kennen das Milieu.

Klaasen trägt einen Vollbart, kurz geschnitten. Wache Augen, scharfer Verstand. Nicht sehr farbig, ohne Charisma, aber sehr zuverlässig, loyal. Ein typischer Vertreter der Bonner Mitarbeiterund Angestelltenkultur. In der Partei halten viele ihn für einen Linken, insofern ist die Figur angelehnt an den Autor als reales Modell, der als "Achtundsechziger" der CDU dem realen Kanzler nie ganz geheuer war.

Klaasen dient treu und ergeben seinem unmittelbaren Chef, dem Generalsekretär. An ihm bewundert er Wahrheitsliebe und moralische Strenge. Als das Vorbild die Wahrheit beugt, stürzt das Klaasen in eine existentielle Krise. Er hat ein stattliches Haus, eine einsame, von ihm, von Bonn und vom Leben enttäuschte Ehefrau und ein Verhältnis mit der Parteisprecherin. Jerry Leister, ein Werbefachmann, ist für die Öffentlichkeitsarbeit der Partei zuständig, ein flinker Zyniker, über den ausgebrannten Kanzler macht er sich intern lustig, Politik versteht er als Showgeschäft, das Publikum in diesem ewigen Zirkus nennt er den "Wähler, die dumme Sau", und K s rechten Herausforderer ein "reaktionäres Arschloch". Ein smarter Profi, kein Kind von Traurigkeit: Strukturelle Ähnlichkeiten mit Peter Radunski, dem langjährigen Wahlkampfchef der CDU, müssen kein Zufall sein.

Charlotte Klaasen, die hilflos leidende Frau, eifersüchtig, einsam und abhängig von Tabletten, deren Autounfall die Story eröffnet, und Petra Soltorius, die Karrierefrau auf dem Sprecherposten, smart, skrupellos, bereit zur Anpassung an neue Realitäten: Die beiden Frauen sind Figuren aus der Bonner Realität, doch sie bleiben im Film wie im Roman merkwürdig blaß. Eine verschenkte Gelegenheit. Das Private bleibt Staffage für das Politische. Das wiederum ist authentisch. Schließlich ist da die andere, die eigentliche Hauptfigur: Hermann Rais, der Generalsekretär. Der Mann, bei dem alles zusammenläuft, der eigentliche Kopf der Partei. Der mutige Kämpfer und weise Stratege, der Mann, der dem Kanzler die unangenehmen Wahrheiten sagt, was allmählich zur Entfremdung führt, der sich im Machtkampf die Hände dreckig macht und, wenns denn der Sache dient, sich auch opfert. Der Parteirechten gilt er als "Linker".