Stumpf schaufelt der Redakteur allerhand Plunder in einen großen Papierkorb, dessen Maul sich am Rande seines Schreibtischs auftut. Die kostenlos versandte Vierfarbzeitschrift der schwedischen Papierindustrie, weg damit; ebenso das dreißigseitige Redemanuskript, das mit den Worten "Der Mensch ist postmodern" anhebt; die Studie über – nein, halt, hiergeblieben! "Boredom at Work: A neglected Concept" (Langeweile am Arbeitsplatz: Ein vernachlässigtes Konzept), erschienen im Fachorgan Human Relations, Vol. 46, No. 3,1993. Schon die Überschrift verjagt jene bleierne Mattigkeit, die von der Lektüre der Postflut herrührt. Zum Beispiel der vielen Berichte über neue, schnelle Computer. Ja, toll, wirklich super, sie werden immer schneller, so ist das mit den neuen Computern. Ach, wie recht hatte Oscar Wilde angesichts der Niagarafälle: "Aufregender wäre es, wenn sie von unten nach oben fallen würden."

Jetzt jedoch sind Überdruß und Indolenz verflogen. "Boredom at Work" – das kann spannend werden. Die Autorin belegt dies mit dem Fall eines Passagierflugzeugs, dessen Pilotencrew einschlummerte und hundert Kilometer über den Zielort hinwegflog, bis sie von der Luftraumkontrolle geweckt wurde. Aber, fragt die Wissenschaftlerin und schürft nun schon tiefer, was ist Langeweile überhaupt? "Ich definiere Langeweile als einen unangenehmen, vorübergehenden Gefühlszustand, in dem das Individuum durchgehend fühlt, daß ihm das Interesse an seiner gegenwärtigen Aktivität fehlt und es Schwierigkeiten hat, sich auf sie zu konzentrieren."

Um dabei nicht stehenzubleiben, verfaßte die Frau einen Langeweilefragebogen. SS Prozent der Befragten gaben an, daß sie sich vor allem dann langweilten, wenn sie "nichts zu tun" hätten – in der Fachsprache "quantitative Unterforderung". Den zweiten Rang nahm die "qualitative Unterforderung" ein, also der Fall, daß die Tätigkeit stupide ist. Ein weiterer Faktor sind Kollegen. Auch sie können ausgesprochen sedierend wirken.

Nun ja, das alles wußten wir schon vorher, stimmt’s? Spätestens nach der Lektüre von zwanzig Seiten Boredom-Forschung schleicht sich ein allzu bekanntes Flaugefühl ein. Unwillentlich wandert der Blick, verfängt sich auf der Titelseite einer Zeitschrift, die superschnelle Computer anpreist, mäandert weiter über den Schreibtisch, bis hin zu dessen Rand. Dort gähnt etwas einladend zurück.