Was Ralf Z. (29) hat, das eine Frau verrückt machen kann, ist leicht zu vermuten. Ein Charmeur alter Schule ist er nicht, lockende Visionen eines romantischen Zusammenlebens kommen ihm wohl kaum über die Lippen, aber dafür kann sich sein Körper sehen lassen. Der spricht für sich. Groß, blond, athletisch, genug Verlockungen für Sekretärin Renate B. (26). Die durchaus nicht unattraktive Frau hat den Hünen im Mai 1992 in einer Kaltenkirchener Großdisco kennengelernt. Offenbar ist man sich gleich am ersten Abend noch nähergekommen.

Zehn Tage später stand Ralf Z. dann nachts bei seiner Discofreundin vor der Tür, um Abschied zu nehmen, für immer. Denn, so seine bittere Geschichte, er habe Schulden, brauche Geld. Damals dieser Job im Kiez-Milieu, eine mysteriöse Kofferübergabe, man habe ihn in eine Falle gelockt. In Notwehr habe er einen Mann erschießen müssen, es existiere ein Videoband, damit werde er erpreßt. Seine Freunde, sagte Ralf Z., wollten ihm nicht helfen, mehr noch, sie hätten ihn verraten. Nun müsse er sich umbringen. Nur Renate wolle er noch einmal sehen. Da schmolz das einsame Herz der Versicherungsangestellten dahin, und ihr Verstand setzte von Stund an gründlich aus. Als erstes opferte sie den Dispositionskredit für ihren Schatzi. Das war nur der Anfang.

Die grundsolide Frau nahm plötzlich weitere Kredite auf und lieh sich bei Bekannten für Ralf Z. Geld zusammen. Bis zum August 1992 häuften sich auf diese Weise 44 000 Mark an. Mehr war bei Renate B. nicht zu holen, und die Beziehung hatte für Herrn Z. keinen weiteren Wert und war damit beendet.

Vor dem Hamburger Amtsgericht hat der Angeklagte trotz seiner schwierigen Lage auf einen Rechtsanwalt verzichtet. Weder gesteht er und bekundet Reue, noch streitet er die Geschichte ab. Pampig bescheidet er die Fragen des Richters mit "kann schon sein", "möglich, daß sie das so gesehen hat" oder "Frau B. war eben verschossener als ich". Nur ein Heiratsversprechen leugnet er. Er glaubt wohl, das reiche für einen Freispruch, dabei ist das Eheversprechen ja gar nicht das Entscheidende, auf die Täuschung des Opfers kommt es an. Und gelogen hat der arbeitslose Gelegenheitsarbeiter. Seiner Freundin erzählte er, daß er Privatdetektiv sei, nicht so ein kleiner Ladendetektiv, eher jemand, der mit geheimen Aufträgen im In- und Ausland zu tun habe.

Vor Gericht erscheint Renate B. wie für ein Bewerbungsgespräch zurechtgemacht. Die Fragen beantwortet sie klar und sachlich, allein beim unverschämten Schlußwort ihres Exgeliebten kneift die betrogene Frau ihre Augen zusammen und beißt sich vor Wut in die geballte Faust. Ralf Z. ist nämlich die Schuld, die er auf sich geladen hat, bis zuletzt ziemlich schnuppe. Nur ein: "Klar, tut mir leid, wie das mit Frau B. gelaufen ist" ringt er sich ab. Er ermahnt das Gericht, ihn nicht zu verurteilen, denn dann sei er für eine Vertrauensstellung als Kaufmann – er wird gerade vom Arbeitsamt umgeschult – erledigt. "Klar", ergänzt er gönnerhaft, werde er das Geld zurückzahlen. Später einmal, wenn er eine "angemessene" Stelle gefunden habe.

Am Ende hat sich der Prozeß für Frau B. zumindest moralisch ausgezahlt, der Richter läßt keinen Zweifel daran, daß er ihr jedes Wort glaubt und den Angeklagten für einen abgefeimten "Lügner und Hochstapler" hält, der die Arme "schamlos bis zum letzten ausgeplündert" habe. Den Mangel an Reue und Einsicht quittiert das Gericht mit einem Jahr Haft auf Bewährung. Aber Ralf Z. solle sich in acht nehmen, mahnt der Richter. Der Angeklagte habe jetzt einmal erlebt, wie leicht man bei Frauen zum schnellen Geld kommen könne, sollte er das noch mal versuchen, werde er Ralf Z., ohne zu zögern, Besinnung in einer Zelle verschaffen.

Als der Angeklagte dann noch hören muß, daß er die 44 000 Mark mit mindestens 200 Mark im Monat abbezahlen soll, ist er richtig empört. Ralf Z. fragt sich, wo die Gerechtigkeit bleibt. Gernot Kramper