Ich erkannte die Dame im schlichten Wollmantel, die da im Warenhaus in einem Berg von Pantoffeln wühlte, kaum wieder.

"Aber Frau Großspur, was machen Sie denn hier? Ich hätte Sie eher auf einem vorweihnachtlichen New Yorker Einkaufsbummel bei Bloomingdale’s oder Tiffany vermutet."

Ohne jede Spur von Verlegenheit studierte sie ihren Einkaufszettel.

"Ich hoffe, hier noch ein kleines Schnäppchen zu machen. Es ist ja alles so sündhaft teuer. Also Carla würde sich sicher über einen Kulturbeutel freuen, sehen Sie irgendwo Handschuhe, die kriegt nämlich mein Mann. Sie können mich dann in die Sportwarenabteilung begleiten, die Kinder bekommen ganz einfache Schlittschuhe... Sie wundern sich wohl, mich hier vor Weihnachten bei den Sonderangeboten zu treffen?"

Ich reagierte vage. Während sie im Weitergehen den Preis eines Schals prüfte, meinte sie bitter: "Unser Verzicht auf jeden Luxus ist die Antwort auf die von gewissen Kreisen geschürte Neidkampagne gegen die Besserverdienenden und Reichen. Man kommt sich inzwischen schon wie ein Asylant im eigenen Land vor", ereiferte sie sich, während sie eine Pudelmütze vom Haken nahm.

"Wäre das was für Arthur?" und fuhr dann fort: "Auch die Reichen und Superreichen stehen als Minderheit unter dem Schutz der UN-Menschenrechtskommission! Wenn wir als Patrioten nicht so an den Wirtschaftsstandort Deutschland glauben würden, wären wir längst in die Schweiz emigriert", nörgelte sie weiter, während wir durch die Spielwarenabteilung latschten, wo sie aber partout nichts Preisgünstiges entdecken konnte.

"Und was tut die Regierung zu Ihrem Schutze?" fragte ich.