Auch in dieser Woche erreichte der Deutsche Aktienindex (Dax) einen neuen historischen Höchststand, den er, weil es zu Gewinnmitnahmen kam, allerdings nicht halten konnte. Dennoch glauben die meisten Börsianer, daß der Aufwärtstrend intakt geblieben ist. Sie verweisen auf die hohe Liquidität, auf weiter sinkende Zinsen sowie auf Hinweise, nach denen die wirtschaftliche Talsohle erreicht zu sein scheint. Die Börsianer lassen sich offenbar durch die oftmals fehlende fundamentale Untermauerung der Aktienkurse nicht irritieren. Um die hohen Kurse rechtfertigen zu können, werden schon erste Gewinnschätzungen für 1995 herangezogen.

Gewisse Nachdenklichkeit löste freilich das Wahlergebnis in Rußland aus, das langfristig den "Frontstaat Deutschland" wieder heraufbeschwören könnte. Einige Börsianer sehen die leichte Schwäche der Mark auf den Devisenmärkten und kleinere Aktienverkäufe durch Ausländer politisch begründet. Bis zum Jahresschluß werden größere Kursveränderungen jedoch nicht erwartet. Die institutionellen Anleger haben ihre Bücher seit Tagen geschlossen und beschränken sich darauf, Kursveränderungen in Grenzen zu halten. Das erklärt auch das geringe Umsatzvolumen.

Als erstaunlich wird die nach wie vor anhaltende Stabilität der Autoaktien bewertet; auch bei den Autozulieferern gab es vorsichtige Meinungskäufe. Experten sehen darin einen gewissen Schwenk zu den zyklischen Werten, also zu Aktien solcher Gesellschaften, die am meisten von einer konjunkturellen Aufwärtsbewegung profitieren würden. Nach wie vor gut im Rennen liegt Mannesmann, dessen Kurs zum einen von den guten Aussichten im Mobilfunkgeschäft und zum anderen von gezielten ausländischen Käufen profitiert. Angeblich soll sich in den Vereinigten Staaten ein Paket bilden. Bei der Commerzbank spielen die Aufkaufgerüchte zur Zeit kaum noch eine Rolle. Hier wurden in den vergangenen Tagen Gewinne realisiert. Der historische Höchstkurs der Commerzbank-Aktien ließ sich deshalb nicht halten. Bei der Metallgesellschaft ist die Abwärtsbewegung offenbar zum Stillstand gekommen. Der Kurs war zusammengebrochen, als Schieflagen im Öl- und Metallgeschäft bekanntgeworden waren. Überrascht hat das anhaltende Interesse für Konsumwerte – offenbar eine Reaktion auf das gute Weihnachtsgeschäft. Die Verbraucher, so scheint es, konsumieren zu Lasten der Sparquote munter weiter. K. W.