Der Kanzler kann nur so gut sein wie seine Berater für Politik im Osten. Die aber beraten einseitig und unrealistisch. Es sind solche "Erneuerer" wie Eppelmann, Heitmann und Vaatz, die ja bei der Bevölkerung längst abgewirtschaftet haben. Es muß umgedacht werden, die CDU muß zu sich selbst finden. Nur so kann sie wieder auf eine Zahl jenseits der dreißig Prozent kommen. Andersherum formuliert: Wenn man den Menschen im Osten parteipolitisch organisiert weiterhin pauschal Vergangenheit vorhält, ihre Biographien in einen einzigen Vorwurf verwandelt, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß erdrutschartige Stimmenverluste zu konstatieren sind...

In Potsdam hatten sich zwei Kandidaten beworben. Der eine war IM und hat seine Akte, nachdem er sie in Händen hatte, kopiert und offengelegt. Wenn Kutzmutz es etwas früher getan hätte, wäre mir das lieber gewesen, das will ich schon sagen, aber aus der Akte wissen wir, daß darin nichts enthalten ist, was ihm vorzuwerfen wäre. Sein Konkurrent von der SPD war ein Dozent für Politische Ökonomie des Sozialismus an der Hochschule, die Auslandskader der DDR für ihren Einsatz vorbereitete, und Mitglied der Kampfgruppen. Bei den Kampfgruppen handelte es sich um eine paramilitärische Truppe, die aus Freiwilligen bestand und Unruhen in den Betrieben und im Land unterbinden sollte. Und nun frage ich mich, wer wirft da wem was vor? Entweder haben beide eine normale Biographie, oder beide sind ungeeignet. Die Brandenburger haben inzwischen begriffen, daß mit dem Stasi-Thema jeder unbequeme Kopf kaputtgemacht werden kann, aber das zieht zum Glück nicht mehr.

Peter Michael Diestel, CDU-Politiker, im "Freitag"