WASHINGTON. – Jedes einzelne Gramm Plutonium ist hoch gefährlich. Es versorgt Kernreaktoren und Atomwaffen mit Brennmaterial. Die Wiederaufbereitung ist deshalb die kritische Schnittstelle zwischen Stromerzeugung und Waffenherstellung.

Die Annahme, das für Reaktoren geeignete Plutonium sei für den Waffengebrauch unnütz, hat sich als falsch erwiesen. Man weiß heute, daß sich aus dem Reaktorplutonium technisch eine perfekte Bombe bauen läßt. Was heute noch ein ziviles Plutoniumlager ist, kann morgen ein Atomwaffenarsenal sein.

Beide Plutoniumsorten sind schwierig zu entsorgen. Ein zehntausendstel Gramm reicht, um Krebs zu erregen. Weniger als neun Kilo genügen für eine Atombombe – der Traum jedes Terroristen. Man muß also, um die Gefahr der nuklearen Weiterverbreitung einzudämmen, strikt sowohl gegen Waffen- wie auch gegen Reaktorplutonium vorgehen.

Zwar tut die amerikanische Regierung alles, um das Plutonium von abgerüsteten Atomwaffen unter Kontrolle zu halten. Aber sie vernachlässigt das Plutonium, das aus der zivilen Wiederaufbereitung entsteht. Die Vereinigten Staaten bemühen sich, das Plutonium aus früheren sowjetischen Waffen zu kontrollieren oder zurückzukaufen, und nach ihren Vorstellungen soll die Plutoniumproduktion für den Waffengebrauch weltweit verboten werden. Beides sind sinnvolle Schritte. Aber sie erklären nicht, warum man sich über die bevorstehende, leichtfertige britische Entscheidung, eine neue Wiederaufbereitungsanlage in Betrieb zu nehmen, in Schweigen hüllt.

Die Anlage in einer gewandelten Welt zu betreiben ist für die Briten heikel. Sie besitzen schon 36 Tonnen Plutonium, mit denen sie nichts anfangen können. Doch die Mühlen der Bürokratie treiben das Projekt weiter voran. Die wirtschaftlichen Aussichten für das britische Vorhaben sind trübe. Auslandsverträge werden die Anlage bloß zehn Jahre auslasten. Für die Zeit danach gibt es wenig Hoffnung. Außerdem bestehen enorme Sicherheitsrisiken.

Ferner beabsichtigt Japan, der größte Kunde der britischen Anlage, ein Lager mit mehreren Dutzend Tonnen Plutonium zu errichten. Wirtschaftlich macht das so wenig Sinn, daß Tokios zukünftiger nichtnuklearer Status angezweifelt werden muß. China, Südkorea und Taiwan beobachten das mit Argwohn und schmieden eigene Pläne – ebenso wie Nordkorea. Sogar der indisch-pakistanische Streit ist davon betroffen. Er kann so lange nicht beigelegt werden, wie Indien Zweifel hegt über die nuklearen Pläne Chinas.