Solche Briefe bekommt nicht jeder: "Ihr neues Parfüm zu tragen ist ein veritabler Zauber. Und erst das Flakon – was für eine Idee!" schrieb eine Verehrerin. "Tun Sie alles, damit der Verkauf nicht verboten wird", ermutigt eine andere. Und eine dritte versichert: "Auch wenn sie nicht viel wiegt: In dieser Angelegenheit haben Sie meine volle moralische Unterstützung."

Der Adressat der Fanpost: Yves Saint Laurent, der berühmte Pariser Modemacher. Der hat den Zuspruch derzeit auch bitter nötig. Denn in diesen Tagen wird ein Pariser Gericht endgültig darüber entscheiden, ob sein neues Parfüm für immer aus den Verkaufsregalen Frankreichs verbannt wird – nur ein Vierteljahr nachdem es mit großem Aufwand eingeführt worden war.

Der Grund für das drohende Verkaufsverbot: Das Duftwasser heißt "Champagne". Das schmeckt den Produzenten des gleichnamigen alkoholhaltigen Erfrischungsgetränks überhaupt nicht: Kaum war das neue Produkt auf dem Markt, klagten sie. Denn dadurch, erklärten ihre Rechtsanwälte Ende Oktober vor Gericht, würde die Bezeichnung Champagne "mißbraucht und geschwächt".

Dabei ließ das Produkt anfangs weniger ein Gerichtsverfahren ahnen als einen Geniestreich. Im September 1991 wollte Pierre Berge, der Präsident des Modehauses Yves Saint Laurent (YSL), endlich wieder ein Parfüm lancieren. Die YSL-Marke "Opium" ist mittlerweile über fünfzehn Jahre alt. Und die jüngste Kreation "Paris" ist auch schon seit fast zehn Jahren im Programm.

"Bergé organisierte ein informelles Treffen. Der Meister selbst, Yves Saint Laurent, war auch da – und sehr gut drauf. Wir redeten so über dies und das. Und plötzlich sagte Yves, ohne die Stimme zu heben: ‚Champagne!‘, erzählt Patricia Turck-Patelier, Generaldirektorin der Parfumbranche von YSL, "da blieb den Teilnehmern die Luft weg, so gut paßte der Name zu einem Parfüm."

Zwei Jahre später hat der Einfall Gestalt angenommen: ein fruchtig bis blumiger Duft, ein Flakon, das an einen Champagnerkorken erinnert, und eine Werbekampagne, die ihresgleichen sucht. Fast sechzig Millionen Mark hat das Modehaus bisher in sein neues Parfüm investiert, die Hälfte davon allein für die Fernsehspots und Anzeigen.

Von dem Geld haben auch Anwälte einiges abbekommen, versichert Patricia Turck-Patelier. Natürlich hätten sich ihre Juristen umgeschaut, ob der Name geschützt sei, und einem Unternehmen sogar das Schaumbad "Royal Bain de Champagne" abgekauft. Natürlich hätten sie dabei auch mit dem Markenverband Institut national des appellations d’origine (INAO) gesprochen – und grünes Licht bekommen.