Dem widerspricht der Verband heftig: "Wir haben die Verantwortlichen gewarnt, als wir Wind von dem Projekt bekommen haben", betont Sprecherin Agnes Payan, "zu der Zeit, als die Auseinandersetzung mit Yves Saint Laurent losging, waren wir dabei, einen Prozeß gegen einen südkoreanischen Unternehmer zu gewinnen, der seinen Dünger Champagner nennen wollte."

Der staatliche Markenschützer und der Schaumwein-Produzentenverband Comité interprofessionnel des vins de Champagne (CIVC) sind freilich nicht immer derart kompromißlos gewesen. Unterwäsche, Kekse, Kosmetik – rund um den Globus gibt es heute Hunderte von Produkten, die sich unbehelligt mit dem edlen Namen schmücken.

Wenn die beiden Verbände bei dem neuen Parfüm die Augen nicht mehr zudrücken, dann hat das nach Expertenmeinung vor allem rechtliche Gründe: Seit 1990 sind Ursprungsbezeichnungen in Frankreich besser geschützt – und damit Prozesse gegen die Namens- und Notorietätsdiebe wesentlich aussichtsreicher.

Böse Zungen behaupten allerdings, der Champagnerkrieg habe eine ganz andere Ursache: Er sei von Bernard Arnault angezettelt, dem Chef des mächtigen Luxuskonzerns LVMH, der nicht nur selbst mehrere teure Parfums wie etwa die Düfte aus dem Hause Dior hat, sondern auch berühmte Champagnermarken wie Moët, Pommery oder Veuve Clicquot-Ponsardin.

Aber Arnault muß sich wohl mehr einfallen lassen, um seinem Konkurrenten ernsthaft zu schaden. Im YSL-Hauptquartier im feinen Pariser Vorort Neuilly ist man auf den Ernstfall schon vorbereitet: Wenn nötig, würde eben das Flakon leicht verändert. Das Rezept für den "Saft", wie die Branche Parfums respektlos nennt, könnte das gleiche bleiben.

Auch wenn ein Verkaufsverbot vorerst nur in Frankreich gilt, hoffen Parfumsammler bereits auf eine Wertsteigerung. Demnächst werden sich nämlich auch Richter in anderen Ländern mit dem Duftwasser beschäftigen. Und jenseits des Rheins ist es heute schon häufig ausverkauft. Vielleicht ist das Verfahren ja nur ein genialer Werbegag? Ludwig Siegele