Eigentlich weiß es jeder. Gespräche über das Wetter sind banal. Andererseits, über das Wetter läßt sich’s selbst dann gut reden, wenn es schlecht ist. "Ein Sauwetter heute", sagt man leichthin beim Friseur, wenn er mit der Schere kommt. Beim Zahnarzt muß man sich natürlich kürzer fassen, wenn er mit dem Bohrer unterwegs ist.

Diplommeteorologen reisen um die halbe Welt, um das Wetter zu studieren. Die hübschen jungen Damen, die im Frühstücksfernsehen "das Wetter" ansagen, brauchen das nicht. Sie wissen auch so, worauf es ankommt: Scheint die Sonne, dann ist das Wetter gut; regnet es, dann ist es schlecht. Und so freuen wir uns denn, wenn uns die Wetterkarten-Maid beim Frühstücksei neckisch zublinzelt, indem sie uns einen "schönen sonnigen Tag" verspricht. Müssen wir doch immer damit rechnen, daß sie ein ganz ernstes Gesicht macht, weil über der Biskaya ein "Tiefausläufer" auch für uns "wetterwirksam" werden könnte.

Nun hat das Wetter die Eigenart, daß es häufig ganz anders kommt, als es vorhergesagt wurde. Und selbst der Diplommeteorologe ist nicht davor gefeit, daß ihm ein unvorhergesehener Regenguß das Bier im Gartenlokal verdünnt. Das Wetter macht, was es will. Häufig macht es sich sogar über das Klima lustig. Dann schmuddelt es in Miami Beach, und in Hamburg strahlt wochenlang die Sonne. Dann ist in London weit und breit kein Nebel zu erkennen, und in der Sahara fällt Schnee. Dann sorgt der Föhn statt in München auf Sylt für Depressionen.

"... und nun das Wetter." Natürlich, in Hamburg schmuddelt es, in London ist Nebel, in Manchen herrscht Föhn. In Miami Beach, setzen wir es ruhig voraus, scheint wieder einmal die Sonne. Trotzdem, wie schön, daß es nicht überall so "schönes Wetter" gibt wie in Florida. Der Schnee und der Regen, der von den Bäumen tropft und den Boden für späteres Grün bereitet, haben es verdient, von uns gut behandelt zu werden. Auch im Frühstücksfernsehen. Warum sollte nicht auch einmal ein Regentag als "gutes Wetter" angekündigt werden. Wo es doch so viele Menschen gibt, die sich Florida nicht leisten können.

Gerhard Seehase